PARISER PARKS: PARC DE BELLEVILLE

Babelville: Weil sich im »multikultig(st)en« Stadtviertel von Paris so viele Sprachen, Nationalitäten und Religionen vermischen, gilt der dichtbesiedelte Einwandererstadtteil im Nordosten als »Babelville«. Fleißige kistenschleppende Chinesen treffen auf Männer im Burnus oder der Djellaba und Afrikanerinnen in der farbenfrohen Kleidung ihrer Heimat, hier gibt es Synagogen und Moscheen, vietnamesische Restaurants, koschere Lebensmittelläden und Halal-Metzgereien. Seit die Mieten und Immobilienpreise überall in Paris explodieren, lässt sich aber auch im einstigen Proletarierstadtteil eine wohlhabendere Bevölkerung nieder – die Armen und sozial Benachteiligten werden in die Banlieue verdrängt, in Belleville eröffnen dafür Smoothie-Shops und Kunstgalerien, Bioläden und Cocktailbars. Doch im Vergleich zu den begüterten Nobelvierteln im Pariser Westen geht es hier nach wie vor recht cool zu. Beim Spaziergang durch das ehemalige Kleine-Leute-Viertel lohnt ein Abstecher zum Parc de Belleville – die Grünanlage auf der Anhöhe des Belleville-Hügels ist ein Aussichtspunkt, der mal ein ganz anderes Paris-Panorama bietet.

Belvédère de Belleville: Von der Metrostation Pyrénées geht es ein kleines Stück die Rue de Belleville hinunter. Von dort führt die Rue Piat zu einem mal ganz anderen Paris-Panorama – der Hügel von Belleville im 20. Arrondissement kann in der Höhe durchaus mit seinem touristischen Pendant Montmartre konkurrieren. Aus erhöhter Perspektive reicht der Blick vom Belvédère zum Montparnasse-Hochhaus und bis zum Ballon de Paris im Jardin André Citroën ganz am anderen Ende der Stadt. Hier kann man eine bloße Brust der Street-Art-Künstlerin Intra La Rue entdecken (eine andere klebt ein Stück weiter an der Place Fréhel). An den Säulen des Pavillons haben sich weitere Künstler verewigt, Gregos etwa verteilt maskenartige 3D-Abdrücke seines Gesichts an den Wänden, mal mit herausgestreckter Zunge, mal bunt, mal wie hier mit Handabdrücken daneben. Die Figuren von Seth (mit bürgerlichem Namen Julien Malland), oft Kinder, haben den Pariser Street-Art-Künstler so bekannt gemacht, dass er inzwischen weltweit für Auftragsarbeiten gefragt ist. Übrigens habe ich auch ein kleines Werk von Clet gefunden, weiter unterhalb, an einem Straßenschild. Der Franzose Clet Abraham gestaltet in ganz Europa Verkehrsschilder neu, eine so unauffällige wie sympathische Art der »Urban Art«, denn seine Interventionen aus Klebefolie lassen sich leicht wieder entfernen. Der kleine Platz wurde 2015 umbenannt und erinnert jetzt an Willy Ronis (1910–2009), einen Pariser Fotografen, mit dessen Biografie und Werk es sich als »einem der prominentesten Vertreter der humanistischen Fotografie« zu beschäftigen lohnt (leider nur noch bis zum 2. September 2020 verfügbar: eine Dokumentation in der Arte Mediathek).

Parc de Belleville: Gleich unterhalb staffelt sich die Grünanlage terrassenförmig am steilen Hang hinunter. Den Kaskadenbrunnen habe ich leider noch nie in Betrieb gesehen, und das Maison de l’Air (das Haus der Pariser Luft, unterhalb des Belvédère in den Hang gebaut), ein der Luft und der Luftverschmutzung gewidmetes Zentrum, scheint seine missionarisch-didaktischen Ziele aufgegeben zu haben. Auf einem kleinen Terrain wird Wein kultiviert (mein Blogartikel dazu hier), alle Grünflächen gern von picknickenden Großfamilien und in Mini-Apartments eingesperrten Singles zum Sonnenbaden und Socializing okkupiert. Als während der Pandemie-Ausgangssperre auch die Parks nicht mehr zugänglich waren, dürfte das für die Einwohner der französischen Hauptstadt eine der Einschränkungen gewesen sein, die wirklich wehtaten. Seit Mitte August stuft Frankreich Paris in Corona-Zeiten wieder als Risikogebiet ein, seit heute gilt auch eine Reisewarnung Deutschlands. Meine für heute geplante Reise nach Paris habe ich gestern gecancelt, leider, aber ich hoffe ja auch, dass andere Menschen rücksichtsvoll handeln und nicht fahrlässig in Risikogebiete reisen.

Parc de Belleville Paris

Paris

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