STREET ART IN PARIS: INTRA LARUE

Montmartre: Bei der ersten Brust war ich noch unsicher – klebt da wirklich ein Exemplar aus Gips an der Wand oder was soll das genau? Ich hatte in der Rue Norvins Fotos von Le Passe-Muraille machen wollen, dem »Mann, der durch die Wand gehen konnte« nach einer Erzählung vom Marcel AyméNeben ihm klebte meine erste Brust. Ab da habe ich weitere entdeckt – oft an eher versteckten Ecken wie in der Rue André Antoine. Nur die neonpinkfarbene Brust an der grauen Steinmauer in der Rue des Saules ist kaum zu übersehen, jedenfalls wenn man mal hochschaut. Auf die Auswahl der Locations für ihre bunten Abgüsse legt Intra Larue großen Wert – meist so hoch wie möglich. Denn die kleinen Objekte sollen zwar »angeschaut, aber nicht betatscht« werden. Die Französin begann das Ganze eigentlich als Witz – inzwischen hat sie schon fast die Zahl 1000 erreicht.

Tabubruch und Nippelverbot: Wann und wo ist der Busen ein Tabu? So führt die automatische Konnotation der weiblichen Brust mit Pornographie etwa zur Brustzensur von Instagram und Facebook. Unter dem Hashtag #freethenipple riefen Kreative zum Widerstand gegen diesen Umgang mit Nacktheit auf, denn die weibliche Brust ist besonders prominent in der Diskussion darüber, was man zeigen darf, und was nicht. Mit Brust- oder Vagina-Kunst kann man nach wie vor die Gemüter erregen...

Belleville und Bastille: Vorwiegend in zwei anderen Stadtteilen habe ich weitere Werke von Intra LaRue entdeckt, im 11. Arrondissement in einer Seitenstraße des Faubourg Saint-Antoine (Rue de la Forge Royale, Nr. 940) beispielsweise, und im 20. Arrondissement (Rue de Belleville und Rue Piat). Aber das isnoch nicht viel, insgesamt sollen es in Paris weit über 450 sein, ich sammle weiter. Ein großer Zufall war es, dass ich am Boulevard Saint-Germain mal hochgeblickt habe – und da war sie über einer prächtigen Eingangstür, meine nächste Brust.

Intra LaRue unterwegs: Nach ihrem Besuch in Lyon, wo die Französin rund zwei Dutzend Abgüsse hinterlassen hat, legte ein fleißiger Fan eine Karte im Internet an (leider sind darunter auch »oeuvres vandalisées«) – für Paris gibt es so etwas nicht, glaube ich. Zudem wurden die Werke anfangs oft geklaut, sodass die Künstlerin inzwischen einen anderen Gips verwendet, der leicht kaputt geht – man zerstört also das, was man klauen will. Auch in Lissabon, Nantes, Dublin, Barcelona hat die in Paris lebende Street-Art-Künstlerin ihr Markenzeichen hinterlassen, insgesamt schon 986 Abgüsse (Stand Anfang April 2019), deren Fotos sie – ordentlich nummeriert – auf Flickr teilt. Ansonsten sucht die bekannte Unbekannte kaum die Öffentlichkeit, ein rares Interview hier, ein Blogartikel dort, das war es dann auch schon.

www.flickr.com/photos/intralarue/

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