JAUME PLENSA: NOMADE IN ANTIBES

Buchstaben-Hülle: Absolut faszinierend ist ein Kunstwerk aus unzähligen weiß lackierten Stahlbuchstaben von Jaume Plensa in Antibes – sein Eindruck wirkt lange nach. Der acht Meter hohe »Nomade«, eine hockende menschliche Figur mit angewinkelten Beinen und einer Körperhülle aus Schriftzeichen, blickt von der Bastion Saint-Jaume am Hafen hinaus auf das Mittelmeer. Nachdem die monumentale Skulptur 2007 in einer Wechselaustellung des Picasso-Museums gezeigt worden war und wie für diesen Ort geschaffen wirkte, ging sie zur Art Basel nach Miami. Daraufhin gab die Stadt Antibes eine ähnliche Skulptur in Auftrag und installierte das Werk 2010 dauerhaft am Hafen. Der 1955 in Barcelona geborene Plensa ist ein mit vielen Preisen und Ehrendoktorwürden ausgezeichneter Künstler von Weltrang, er blickt auf weltweite Ausstellungen in renommierten Museen zurück (in Frankreich unter anderem in Paris, Lyon, Nizza, Bordeaux und Caen, in Deutschland in Duisburg, Hannover, Mannheim, Kiel) und übernahm Gastprofessuren an Kunsthochschulen wie der Ecole des Beaux-Arts in Paris. Ein Großteil der vielseitigen Skulptur-Installationen von Jaume Plensa ist publikumswirksam im öffentlichen Raum zu sehen – in Frankreich in Nizza (Conversation à Nice, 2007: sieben beleuchtete Skulpturen, die sieben Kontinente darstellen, auf neun Meter hohen Masten auf der Place Masséna), Auch (1991) und Bordeaux (Sanna, 2013, nur temporär, der Ankauf scheiterte), in Deutschland auf dem Campus der Goethe-Universität in Frankfurt am Main (Body of Knowledge, 2010). Auch mit Licht und Klang arbeitet Plensa gern, doch bevorzugt mit Schriftzeichen.

Sehen/Lesen: Und warum Buchstaben? In einem Kommentar zu seinem Werk verglich der katalanische Künstler sie mit Ziegelsteinen. Wie diese sind sie »Baumaterial« für Konstruktionen – sie erlauben es den Menschen, Gedankengebäude zu entwerfen. Oder wie viele einzelne Zellen biologische Körper ergeben, fügen sich die Buchstaben des lateinischen Alphabets zu einer gitterartigen Hülle für »Geist und Seele«. Einzeln haben sie keine Bedeutung, doch aus ihnen werden Worte, Texte, Gedanken, Sprache. Der überlebensgroße Nomade ist von großer poetischer Ausdruckskraft, raumgreifend und zugleich filigran, licht- und luftdurchlässig – offen für neue Gedanken? Ruht sich die Figur in kontemplativer Betrachtung des Meers aus oder träumt sich der rätselhafte Nomade in die Ferne? Obwohl er große Ruhe ausstrahlt ist der Nomade gedanklich vielleicht schon wieder unterwegs… Andererseits schreiben sich die Erfahrungen, die der Mensch macht, seiner Haut/Hülle ein wie Tattoos – auch diesen Vergleich hat Plensa schon geäußert. Und nicht jeder Mensch weiß des anderen Tattoos zu lesen…

 

https://jaumeplensa.com/works-and-projects/public-space/nomade-2010

https://www.antibesjuanlespins.com

 

Typografie überall! Eine ganze Schriften- und Schilderwelt tut sich für alle die auf, die die Augen offen halten. Schriftzüge und Buchstaben sind allgegenwärtig und prägen Orte auf subtile und doch eindrückliche Weise. Wer durch Frankreichs Städte oder Dörfer streift, wandert durch Jahrhunderte des geschriebenen Worts. In den Straßen, auf Verkehrsmitteln, Ladenschildern, den Fassaden von Cafés und Restaurants, auf Mauern und Werbeplakaten: Jede Stadt hat ihre ganz eigene urbane Typografie. Selbst in Metropolen wie Paris, wo klassizistische Gemäuer auf immer mehr reflektierende Glasfassaden treffen, vermischen sich verblasste oder verwitterte Schriftzüge, Leuchtreklamen mit Kultstatus und Mosaikschriften, historische Stadttypografie, traditionelle Restaurant- und Ladeninschriften mit urbaner Streetart und Graffiti, Neon-Zeichen und Werbeplakaten, modernen Markensignets und Leitsystemen zur Orientierung oder Texttafeln. Die Typografie im Stadtbild spiegelt die Geschichte Frankreichs auf eine ganz eigene Art wider und vereint dabei nostalgischen Retro-Charme mit stetem Wandel. Jeder Schriftzug erzählt dabei eine Geschichte, lässt Epochen und Moden erkennen. Leider immer seltener:Durch das Verschwinden älterer Buchstaben und Beschilderungen aus dem Stadtraum gehen auch Erinnerungen verloren… Schriftzüge verschwinden nicht nur aus dem Blick, sondern auch aus unserem Bewusstsein. Und durch den wirtschaftlichen Erfolg internationaler Konzerne und Ketten sind leider in immer mehr Städten nur dieselben Schriftzüge und Logos zu sehen.

Côte d’Azur Antibes Kunst

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