SCHMIEDEEISEN IN PARIS: HAUSTÜREN

La ferronnerie d’art: Offensichtlich ist das Kunstschmiedehandwerk ein wenig beachteter Aspekt in Kunst- und Architekturgeschichte, jedenfalls ist es doch recht schwierig, Näheres darüber in Erfahrung zu bringen. Dabei springen die schönen schmiedeeisernen Balkongitter, Treppengeländer, Vordächer (»marquises«), Türen und Portale in Paris und anderen Städten Frankreichs wie Bordeaux (dort neben Balkongittern besonders auch die Türklopfer) unmittelbar ins Auge und das vielseitige Talent früherer »ferronniers« dürfte nicht nur ich bewundern… In Frankreich war »fer forgé« ab 1650 ausgesprochen beliebt, und auch wenn im Lauf des 19. Jahrhunderts Gusseisen in Konkurrenz zum geschmiedeten Material trat, lassen sich auch im 20. Jahrhundert noch wunderbare Beispiele entdecken, im extravaganten Jugendstil und im stromlinienförmig-geometrischen Stil des Art Déco. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts lässt das Interesse nach, doch inzwischen ist Schmiedeeisen in moderner Ausführung wieder angesagt, vorzugsweise im Industrielook für den Innenausbau. Aber auch für die Restaurierung und neue Entwürfe gibt es in Frankreich noch zahlreiche »ferronneries« – so hat beispielsweise das Unternehmen von Rémi Crézé aus der bretonischen Stadt Rennes in Paris die Kunstschmiedearbeiten an der Place Vendôme restauriert sowie vom Palais Garnier und vom Hôtel de la Marine.

Metallbaumeister: Ein Kunstschmied (in Deutschland wurde die Berufsbezeichnung in Metallbauer umbenannt) ist gleichzeitig Künstler, Konstrukteur und Handwerker, muss sich mit Entwurfszeichnung, historischen Stilen und den technischen Aspekten der Metallbearbeitung am Schmiedefeuer auskennen. Wer etwas ausführlicher recherchiert, stößt auf einige wenige Namen, vor allem wenn sie nicht nur für Adel und Bourgeoisie »Schweißarbeit« geleistet, sondern auch öffentliche Gebäude oder Kirchen mit Schmiedearbeiten ausgestattet haben. Über Jean Tijou (gestorben nach 1712) weiß man nicht allzuviel, bekannt ist jedoch, dass er als protestantischer Flüchtling nach dem Edikt von Nantes zu Beginn des 18. Jahrhunderts seine Kunst nach England mitbrachte und dort den königlichen Hampton Court Palace ausstattete. Berühmt sind auch die kunstvollen Schmiedearbeiten von Jean Lamour (1698–1771), der Mitte des 18. Jahrhunderts die vergoldeten Rokoko-Gitter an der Place Stanislas in Nancy fertigte, die wiederum Vorbild waren für die Porte des Enfants du Rhône beim Parc de la Tête d’Or in Lyon. Die ebenfalls eindrucksvollen Gitter des Parc Monceau wiederum entstanden 1861 in der Haussmann-Ära nach Entwürfen von Gabriel Davioud (teils schon aus Gusseisen, wie auch sein Stadtmobiliar).

Im 20. Jahrhundert: Wie erwähnt erlebte die »ferronnerie« in Art Nouveau und Art Déco neuen Aufschwung. Neben Hector Guimard, dem Gestalter der Pariser Métro-Eingänge, der beispielsweise das Castel Béranger in Paris mit schwungvollen Schmiedeeisen-Elementen versah, zählt Edgar Brandt (1880–1960) zu den bekannteren Namen (Eingangsportal am Schwimmbad Saint-Georges in Rennes, Palais de la Porte Dorée in Paris). Eine informative Studie, die ich bislang lesen konnte, stammt von Bernard Marrey (La ferronnerie dans l’architecture à Paris aux XIXe et Xxe siècles, Editions du Linteau, Paris 2014), der nach einem historischen Überblick eine Art Bestandsaufnahme der Pariser Architektur liefert, mit nach Arrondissement sortierten Adressen. Emile Robert (1860–1924), ein echter »militant de la ferronnerie«, der auf der Weltausstellung im Jahr 1900 in Paris eine Schauschmiede betrieb und schon zuvor eine Fachzeitschrift gegründet hatte, habe eine zentrale Rolle für die Entwicklung des Jugendstils gespielt, etwa so wie Emile Gallé für die Glaskunst, schreibt der Autor.

Paris Schmiedeeisen

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