RUE GABRIELLE

Leicht nachvollziehbar, dass ich mich frage, nach wem die Pariser Straße benannt ist und was sich hier schon abspielte… Wann immer ich Franzosen kennengelernt und meinen Vornamen gesagt habe, summten sie den Song von Johnny Hallyday, dem französischen Rocker par excellence, der polarisiert und zugleich unglaublich populär ist. Den Text ab »Gabrielle, tu brûles mon esprit, ton amour étrangle ma vie« können jedenfalls ausgesprochen viele mitsingen, zitieren…

Aber zurück zum Thema: Die Rue Gabrielle zieht sich auf halber Höhe am Montmartre-Hügel entlang, von ihr führen mehrere Treppen hinauf zur Place du Tertre und zu Sacré-Cœur. Obwohl sie damit nur ein paar Schritte entfernt von zwei der meistbesuchten Pariser Sehenswürdigkeiten liegt, gehört das Ecklokal Le Rendezvous des Amis (tgl. 10–1.30 Uhr) zu den sympathischen Adressen im Viertel. Rechts und links des Eingangs stehen wie so häufig nur ein paar kleine Tischchen und Stühle auf dem Bürgersteig, aber die Straße ist ruhig und auf ein Getränk kann man sich hier für eine kleine Weile niederlassen.

In Nr. 49 befand sich das erste Pariser Atelier von Picasso im Jahr 1900 – später malte er im berühmten Bateau Lavoir unweit von hier, in der Rue des Grands-Augustins nahe des Seine-Ufers (6e) und weiteren Ateliers. Max Jacob (1876–1944), der französische Schriftsteller und Maler, der während der deutschen Besatzung von Paris von der Gestapo verhaftet wurde und im KZ Drancy starb, lebte eine Zeitlang in Nr. 17. In der Rue Gabrielle wohnte beide Künstler nicht zur gleichen Zeit, teilten sich aber 1902 eine Unterkunft am Boulevard Voltaire im Montparnasse-Viertel.

Auf dem Grundstück von Nr. 28 der Rue Gabrielle stehen Bienenstöcke, wie man sie auch an anderen Stellen in der Stadt findet, zum Beispiel im Parc Georges Brassens oder unterhalb des Musée de Montmartre. Um die »Ruchers« in der Rue Gabrielle kümmert sich ADDM 18 – die Association de Défense de Montmartre et du 18e Arrondissement –, eine Bürgerinitiative, die sich um die Lebensqualität im Viertel bemüht.

Und nach wem heißt die Straße nun? Für solche Fragen konsultiere ich ein Buch aus den 1950er-Jahren, »Connaissance du Vieux Paris«. Der Autor Jacques Hillairet erläutert dort, die Rue Berthe (direkt unterhalb) und die Rue Gabrielle seien seit 1840 nach der Tochter und der Ehefrau eines damals dort ansässigen Eigentümers benannt. Dass ich selbst dort niemals Eigentümerin werden kann, steht außer Frage: Die Quadratmeterpreise für Wohnungen bewegen sich zwischen 10.000 und 13.000 €!

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