HEIDE IN DER BRETAGNE

Das blüht im August: »Le Grand bleu« im Hintergrund, davor leuchtende Farbenpracht – das blühende Heidekraut verwandelt vom Sommer bis in den Herbst hinein die weite, baumlose Heidelandschaft auf der bretonischen Crozon-Halbinsel in einen lilafarbenen Teppich. »Die Kräuter blühn; der Heideduft steigt in die blaue Sommerluft« (Theodor Storm), das passte für unsere zweite Wanderung zur Pointe de Pen Hir, während der Himmel am ersten Wandertag zur Pointe des Espagnols noch hellgrau verhangen war und die Farben etwas matter. An den drei Blogbeitragen dazu ist es nicht zu übersehen – in überschwenglicher Begeisterung für die grandiose Landschaft habe ich unzählige Fotos gemacht. Zur Küstenvegetation zählen beispielsweise Besenheide (Calluna vulgaris / callune), Glockenheide (Erica tetralix / bruyère à quatre angles) und Graue Heide (Erica cinerea / bruyère cendrée), aber mit über 100 Gattungen und 4000 Arten ist die botanische Beschäftigung mit den Heidekrautgewächsen eine Wissenschaft für sich.

Violetter Sommer: In Frankreich wird der Landschaftstyp »La Lande« genannt, der von verschiedenen Heidekräutern und anderem niedrigen Bewuchs wie Stechginster und Gräsern geprägt ist. In der Bretagne kann die Küstenheide atlantischen Typs direkt am Meer ganze Teppiche bilden, die jetzt im Juli und August Blüten in Rosarot, Purpur oder Violett tragen. Es gibt auf Dünen, Torf-, Kalk- und Sandböden natürliche Heiden, oft entstand dieser Vegetationstyp aber auch nach Rodungen, aufgrund von Beweidung durch Schafherden oder Trockenlegung von Feuchtgebieten, ist also eine menschengemachte Kulturlandschaft, die ständige Pflege benötigt. Lässt man dort der Natur wieder ihren Lauf, entsteht Wald. Vor der Französischen Revolution soll ein Drittel der Bretagne von Heide bedeckt gewesen sein, heute seien von rund einer Million Hektar nur noch 14.000 Hektar übriggeblieben.

Ausstellung in Rennes: Trotz ihrer Kargheit spielte die Heide früher durchaus eine Rolle für die bretonische Landwirtschaft. Neben Viehfutter lieferte sie auch Streu für die Tiere und Heizmaterial. Das Écomusée du Pays de Rennes hat dieser weitgehend verlorengegangenen Landschaftsform 2017/18 seine Jahresausstellung gewidmet (das ausführliche französische Pressedossier lässt sich noch herunterladen) wie schon zuvor auch dem »Bocage«. Unterschiedliche Einflüsse veränderten das Landschaftsbild nachhaltig: Neben der Möglichkeit, den kargen Boden durch Kunstdünger fruchtbarer zu machen (Boden-Melioration), beendete vor allem die Privatisierung des Gemeineigentums ab 1850 die »alte Zeit«– sukzessive gelangten »Grund und Boden« in die Hände bereits vermögender Schichten. Verlierer der erzwungenen Agrarrevolution waren in der Bretagne wie anderswo die Kleinbauern. Die verarmte Landbevölkerung wanderte in die Städte ab oder wurde in Heimarbeit von der wachsenden Textilindustrie ausgebeutet. Die Ausstellung widmete sich aber auch der Biodiversität und der Heide als Motiv: So einige Literaten und Malerinnen ließen sich von ihrer Schönheit faszinieren. Die Künstlerin Yvonne Jean-Haffen (1895–1993) etwa malte auf der Crozon-Halbinsel mit Blick auf den Tas de Pois – an der Stelle, an der ich ebenfalls so viele Motive ins Bild bannen wollte (Maison d’artiste de la Grande Vigne, Dinan).

Bretagne Crozon-Halbinsel Heide

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