AUF DEM KÜSTENWANDERWEG GR34: RUND UM CAMARET
Wandern durch violette Teppiche: An einem schönen Tag im Oktober waren wir schon mal zum Wandern auf der Crozon-Halbinsel. Angesichts der braunen Heidelandschaft hatte ich mir fest vorgenommen, zur Zeit der Blüte wiederzukommen. Die Crozon-Halbinsel ist Teil des 1969 gegründeten Parc Naturel Régional d’Armorique (www.pnr-armorique.fr), dem zweitältesten unter den rund 50 regionalen Naturparks Frankreichs. Den bretonischen Naturpark zeichnet eine große landschaftliche Vielfalt aus, mit Heide- und Heckenlandschaften, den Arrée-Bergen und den drei bewohnten Inseln Molène, Ouessant und Sein, mit Felsen und Dünen, Moor- und Sumpfgebieten, Eichen-, Buchen- und Kiefernwäldern. Zum Geburtstag hatte ich mir zwei Wandertage auf der Crozon-Halbinsel gewünscht, mit Übernachtung in Camaret-sur-Mer. Und tatsächlich blühte jetzt Anfang August wie erhofft das Heidekraut, war das Naturerlebnis noch eindrücklicher als im Herbst: Rundherum nur »le grand large« (mit Weitblick über Traumstrände weit hinaus aufs Meer) und violette Heidepolster, ab und zu Farn und Felsen.
Unterwegs auf dem GR34: Die lange bretonische Küste bietet unzählige spektakuläre Orte – einer davon ist die Crozon-Halbinsel im Département Finistère. Vier Landzungen hat sie, die eine Art riesiges Kreuz im Meer bilden und sich alle als Wanderziel lohnen – die Szenerie bietet fantastische Perspektiven, mit dem in Blautönen schimmernden Meer, steilen Klippen und Buchten dazwischen mit kleinen und größeren Stränden. Wir haben uns am zweiten Tag (nach der Pointe des Espagnols) für eine Tour rund um Camaret-sur-Mer an der westlichen Landzunge entschieden. »Magnifique«, kündigte uns die junge Hotelmitarbeiterin an der Rezeption an, sei die Rundwanderung. Sie folgt teilweise dem GR34, oft Zöllnerpfad genannt, auf dem sich die ganze Bretagne umrunden lässt. An der Küste ist der weiß-rot markierte Sentier Côtier nicht zu verfehlen, doch eine IGN-Wanderkarte (hier 0418 ET Presqu’île de Crozon) haben wir trotzdem immer dabei. Am Weg lag neben Bunkern auch die viertürmige Ruine eines Landsitzes, den sich der französische Dichter Saint-Pol-Roux (1861–1940) erbauen ließ – sein »Manoir de Coecilian« wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.
Chez Germaine: Etwas getrübt wird der Spaß am Wandern, wenn man sich der felsigen Pointe de Pen Hir nähert, der meistbesuchten Landspitze mit im Wasser verstreuten Inselchen davor. Während man selbst schon zwei Stunden zu Fuß unterwegs war, kommen fast alle anderen mit dem Auto, stellen es auf dem großen Parkplatz ab und machen schnell ein Selfie oder Familienfoto mit dem Tas de Pois im Hintergrund, dem »Erbsenhaufen« an felsigen Inselchen, selbst die Vegetation leidet unter dem Andrang. Wir sind schnell zur nächsten Bucht weitergewandert und haben uns Punkt zwölf Uhr mittags in die Warteschlange bei Germaine eingereiht, einem Strandlokal an der Plage der Véryac’h und tatsächlich einen Tisch auf der Terrasse ergattert.
Geburtstagsständchen: Nach der Geburtstagsgalette in der Crêperie am Strand bei Geburtstagssonnenschein gab es abends sogar noch ein Geburtstagskonzert! Das gar nicht mal etwas mit dem Musikfestival »du Bout du Monde« zu tun hatte, das auch gerade auf der Crozon-Halbinsel stattfand. Wir hatten Glück, an einem Donnerstag in Camaret zu übernachten, zu den »Jeudis d’en face« lädt der kleine Hafenort in den Sommermonaten verschiedene Gruppen zu Open-Air-Auftritten am Quai Téphany ein (www.crozon-tourisme.bzh/de). Mit ihrem »Jazz manouche« brachten Harisson Swing das Publikum zum Tanzen…




