MIROIRS D’EAU IN FRANKREICH

Schöne Pfütze: Meistfotografierter Miroir d’Eau ist sicher der 3500 m² große »Wasserspiegel« inmitten der Gartenanlagen am Garonne-Ufer in Bordeaux. Ob mit Remmidemmi, wenn Groß und Klein mit nicht nachlassender Begeisterung barfuß durch das Wasser waten oder bäuchlings robben, als willkommene Erfrischung an heißen Sommertagen oder als ästhetische Spiegelung mit effektvoller Beleuchtung bei Nacht, der der Wasserspiegel verdoppelt und vergrößert die Place de la Bourse, spiegelt das Licht, den Himmel, die Menschen, die Fassaden. In regelmäßigem Takt steigt der nur etwa zwei Zentimeter hohe Wasserpegel, wird wieder abgesaugt und gereinigt, dann sprüht aus den Bodendüsen feiner Nebel. Der feine Dunst aus Wasser lockt spätestens jetzt auch alle Selfie-Freunde auf die Granitplatten. Brunnenplaner Jean Max Llorca hat das grandiose Werk erdacht, viele Jahre zuvor hatte er schon die ähnlich beliebten, nur fernab aller touristischen Trampelpfade gelegenen Wasserfontänen im Parc André Citroën konzipiert.

Sprudelwasser: Die 2013 eingeweihte Promenade du Paillon in Nizza, für die der Busbahnhof verlegt wurde, wurde vom Landschaftsarchitekten Michel Péna gestaltet. Die 12 Hektar große Grünanlage verläuft in einem weiten Bogen von der Promenade des Anglais entlang der Altstadt und zieht sich bis zum Museum für moderne Kunst. Beliebt bei den Niçois wie bei Touristen und Kindern sind Sitzbänke und Spielplätze und auch hier der Miroir d’Eau. Hier ist er zweiteilig, die eine 3000 m² große Brunnenfläche mit 128 sprudelnden Fontänen kann auch mit Son-et-Lumière-Effekten in Szene gesetzt werden, auf der mit 1400 m² kleineren Fläche erzeugen die Sprühdüsen Wassernebel wie in Bordeaux.

Hitze in der Stadt: Der Miroir d’Eau auf der Place de la République in Paris ist enttäuschend klein, allerdings auch nur ein Teil der Umgestaltung des einst verkehrsumtosten übergroßen Platzes zu einem Fußgängerbereich mit multipler Nutzung. Ich habe schon Menschen dort tanzen oder neue Fahrräder testen sehen, oder vertieft in diverse Spiele, wenn das städtische Spielmobil seine Schätze ausgepackt hatte. Wiederum stammt der Wasserspiegel von jmlwaterfeaturedesign, dahinter stecken ebenfalls die inzwischen weltweit tätigen Brunnenplaner mit Stefane und Jean Max Llorca. Wasser verleiht der erfolgreichen Platzumgestaltung sozusagen auch einen kleinen Fun-Faktor. Neben dem Miroir d’eau erhielt auch die Skulptur in der Mitte des Platzes einen Ring aus Wasser. Solche Brunnen dienen auch dazu, eine Hitzeinsel mitten in der Großstadt etwas runterzukühlen. Die zunehmenden Höchsttemperaturen aufgrund des Klimawandels bekommen vor allem die Städte zu spüren – mit 42,6 °C verzeichnete Paris am 26. Juli 2019 einen neuen Rekord. Zum Klimawandel kommt noch hinzu, dass die Steinmassen die Hitze speichern und die Gebäuderiegel Durchlüftung und Abkühlung verhindern. Stadtplaner müssen sich neu orientieren, um Metropolen wie Berlin, Paris oder London für die höheren Temperaturen zu wappnen. Das heißt: Mehr Grün, mehr Wasserstellen, weniger Beton.

Olympische Spiele 2024: Das Büro der Brüder Llorca wurde auch mit der Neugestaltung der Wasserspiele am Trocadéro und am Eiffelturm beauftragt – zu den Olympischen Spielen wird es dann auch unter dem Wahrzeichen von Paris einen Miroir d’Eau geben.

Paris Miroir d'Eau

Nizza Promenade du Paillon

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