FRANKREICHS SCHÖNSTE DÖRFER
Der Charme der Provinz: Zu den beliebten Reisezielen Frankreichs zählen attraktive Großstädte wie Nizza, Marseille oder Bordeaux und mondäne Küstenorte wie Antibes, Trouville oder Biarritz. Die schönsten Urlaubserinnerungen verschaffen oft aber gerade die kleinen Dörfer des Landes. Von den Alpen bis zur Atlantikküste – im ländlichen Frankreich finden sich Gemeinden mit malerischer Lage und historischer Architektur, die an Charme kaum zu überbieten sind. Mittlerweile tragen 182 französische Orte die Auszeichnung »Les plus beaux villages de France«. Was sich viel anhört, ist für so ein großes Land doch überschaubar – in der Bretagne sind es vier Dörfer, auf Korsika gerade mal zwei, in der Provence und an der Côte d’Azur dagegen fast zwei Dutzend. So unterschiedlich wie die Regionen Frankreichs sind, so viele Gesichter haben auch die französischen Dörfer – mal prägt buntes Fachwerk das Bild, mal graue Granitsteinhäuser, heller Kalktuff oder roter Sandstein, mal gibt es eindrucksvolle Stadtmauern, mal arkadengesäumte Marktplätze.
Les Plus Beaux Villages de France: Vor mehr als vier Jahrzehnten hatte Charles Ceyrac, ein ehemaliger Bürgermeister, im Jahr 1982 die Vereinigung der schönsten Dörfer Frankreichs ins Leben gerufen. Anklang hat das Label auch im Ausland gefunden, unter anderem in Italien (2001), Spanien (2011) und der Schweiz (2015) gründeten sich ähnliche Vereinigungen. Wie erhält man das begehrte Label? Ganz einfach ist es nicht. In Frankreich sind die mehr als 30 Kriterien für die Auszeichnung auf der Website (www.les-plus-beaux-villages-de-france.org) nachzulesen, zu denen neben dem Erhalt der Architektur inzwischen auch Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität und der Bepflanzung mit Bäumen sowie die »préservation de la ruralité« gehören. Zudem soll alle sechs bis acht Jahre überprüft werden, ob die Einstufung noch gerechtfertigt ist, ab und zu wird die Auszeichnung wieder aberkannt. Die Restaurierung traditioneller Bauten mit authentischen Materialien erfordert dabei teils erheblichen Aufwand an Kosten und lokaler Handwerkskunst, beispielsweise bei den Strohdächern der normannischen »chaumières«. Museal sollen die Dörfer dennoch nicht werden, gegen neue Architektur gibt es keine Einwände, wenn sie sich harmonisch ins Ortsbild einpasst. Übrigens: Das noch etwas früher gegründete Netzwerk der »Petites Cités de Caractère« nimmt nicht Dörfer, sondern einstige Städtchen nach etwas anderen Kriterien auf (www.petitescitesdecaractere.com), etwa Tréguier oder Le Faou in der Bretagne.
Meine Favoriten: Zu den schönsten Dörfern Frankreichs zählen Beynac-et-Cazenac und Saint-Cirq-Lapopie im Périgord, Candes-Saint-Martin und Montrésor im Loiretal, Lavaudieu und Salers in der Auvergne, Rocamadour im Département Lot, Sant’Antonino auf Korsika und Vogüé an der Ardèche. Einige habe ich hier schon vorgestellt, die an der Ardèche gelegenen Aiguèze und Balazuc, sowie Locronan und Moncontour in der Bretagne. Unbestritten schön, aber extrem überlaufen sind die Weinorte Eguisheim und Riquewihr im Elsass wie auch die Ortschaften im Luberon. Aber ich kann keineswegs behaupten, auch nur die Hälfte aller schönsten Dörfer Frankreichs zu kennen – auf meiner Bucket List stehen Ars-en-Ré auf der Île de Ré, Saint-Agnès im Hinterland von Nizza, Veules-les-Roses in der Normandie, La Roche-Guyon an der Seine in der Île de France, die Bastiden des Südwestens wie Cordes-sur-Ciel, Domme und Monpazier und das knappe Dutzend Orte im Département Aveyron, von denen ich bislang nur Sainte-Eulalie d’Olt, Conques und La Couvertoirade kenne. Auf der Website der Vereinigung lässt sich nach vielerlei suchen, nach reizvollen Gärten oder Dörfern am Meer, nach den ruhigeren (hors des sentiers battus) oder den besonders romantischen Orten.


