DIE FERME DES HOMS AUF DEM CAUSSE DU LARZAC

Pastis des Homs: Irgendwo hatte ich gelesen, der Pastis des Homs aus Nant sei noch besser als der ebenfalls handwerklich hergestellte Henri Bardouin, den ich mir sonst aus Frankreich mitbringe, falls ich ihn irgendwo finde. Jetzt war ich auf Recherchereise unterwegs am Tarn und da war es von Nant nur noch ein kleiner Abstecher zur Ferme des Homs in abgeschiedener Lage auf dem Causse du Larzac. Das junge Paar Marion und Romain baut dort seit 2016 Küchen- und Heilkräuter an und trocknet, fermentiert oder destilliert sie zu einer ganzen Reihe von Köstlichkeiten. Der handwerklich gefertigte Pastis, schon mit mehreren Medaillen ausgezeichnet, enthält neben Süßholzwurzel (Lakritz) und Sternanis 15 weitere Aromapflanzen. Die beiden studierten Agraringenieure verzichten auf Dünger und chemische Produkte und machen viel von Hand – von der Unkrautbekämpfung über das Mulchen und die Ernte bis zur Produktion.

Parc des Grands Causses: Im kleinen Weiler Homs am nordwestlichen Rand des Causse du Larzac wurden auf dem heutigen Kräuterhof früher Schafe gehalten, wie auf fast überall auf dem Hochplateau. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Hof aufgegeben, aber im Zuge des Kampfs gegen die Erweiterung des militärischen Sperrgebiets in den 1970er-Jahren von den Vorgängern des Paars wiederbelebt. Von den rund 40 Hektar Land, die mitten im regionalen Naturpark Grands Causses liegen, ist ein großer Teil Wald und Wiese, auf rund einem Hektar wachsen die Aromapflanzen. Dazu kommen selbst gesammelte Wildfrüchte wie Holunder, Wacholder, Hagebutten, Malven. Außer Aperitivs wie dem Pastis, Délice des Coings (aus Quitten) oder Eglantine des Causses produzieren sie auch Obstbrände aus Schlehen oder Wildpflaume, Essig mit diversen Kräuteraromen, Kräutersalze und Kräutertees. Die getrockneten Kräuter wie Thymian, Rosmarin, Salbei, Pfefferminze, Oregano, Estragon, Ysop, Kamille, Eisenkraut gibt es auch abgepackt in Papiertüten. Der ganzjährig geöffnete Laden ist im Juli und August Mo–Sa 10–12.30 und 15–19 Uhr geöffnet, Mai, Juni, September, Oktober Mo–Sa 10–12.30 und 14–18 Uhr.

Causse du Larzac: Das Kalkhochplateau des Larzac ist der südlichste der Causses und zählt zu den dünnstbesiedelten Gegenden Frankreichs. Hier trifft man auf eine steppenartige  Vegetation mit vielen Gräsern, eine steinige, trockene Landschaft mit verstreuten Felsformationen, auf der man ab und zu Schafherden begegnet. Denn da das Wasser von Niederschlägen sofort im Kalkgestein versickert, ist die karstige Hochebene (mit Höhen zwischen 600 und 1100 Meter) nicht für Landwirtschaft geeignet, sondern wird traditionell von Schafen beweidet. Typisch sind die »jasses« genannten Schafställe mit ihren eindrucksvollen Steingewölben und die »cazelles« genannten Steinhütten der Schäfer. Als »agropastoralisme méditerranéen« zählen die Causses seit 2011 zum Unesco-Welterbe. Der Causse du Larzac zieht sich von Millau im Département Aveyron gen Süden bis nach Lodève im Département Hérault. Mit 1000 km² auch der weitläufigste der Causses, wirkt er besonders einsam und menschenleer, weil er vor dem Bau der Autobahn A75 völlig im Abseits lag und zum Teil als Truppenübungsplatz genutzt wurde. Als jedoch in den 1970er-Jahren geplant war, das Militärareal noch zu vergrößern, und die wenigen Bauern ihre Weiler auf dem Hochplateau räumen sollten, erstarkte der Widerstand. »Gardarem Lou Larzac!« wurde der Kampfruf der friedlichen und gewaltfreien Bewegung, die Unterstützung aus der ganzen Welt erhielt und tatsächlich erreichte, dass die französische Regierung ihre Pläne aufgab.

 

http://aromatiquesdularzac.com/comptoir/fr/

https://www.parc-grands-causses.fr

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