LIEBLINGSORTE: LIBRAIRIE GALIGNANI IN PARIS

Leseherbst: Unter den vielen schönen Buchhandlungen in der französischen Hauptstadt ist Galignani vielleicht die eleganteste. Kein Paris-Aufenthalt, ohne dass ich dort vorbeischaue. Schon die Schaufenster wecken Leselust zu jeweils aktuellen Themen – zum Frauentag im März mit Büchern von und über Simone de Beauvoir bis Simone Veil. Drinnen im gediegenen Ambiente stöbern Kunden gern im umfangreichen Sortiment von Bildbänden und französischer Literatur, Touristen und heimwehkranke Expats schätzen die große Auswahl an englischsprachiger Fiction und Non-fiction. Stilvoll und leise geht es hier zu, kein Coffeeshop und kein Nonbook-Bereich stehlen den Büchern Platz. Gleich neben dem Eingang hat in einer Ecke die französische Literatur ihren Platz, Klassiker und Gegenwartsautoren, Beigbeder und Modiano, Balzac und Rabelais. Auch die Sachbuch-Auswahl ist – neudeutsch gesagt – interessant kuratiert, denn die Franzosen lieben Debatten und gute Stories, Politiker und Prominente betätigen sich gern als Schriftsteller (oder sehen sich mithilfe von Ghostwritern gern gedruckt). Zwischendrin stößt man hier auch auf »Munkey Diaries«, das Tagebuch von Jane Birkin, oder auf die Geschichte des Bücherdiebs John Gilkey, »L’Homme qui aimait trop les livres«. Ich mache in der Paris-Ecke immer tolle Entdeckungen, zuletzt den genialen transatlantischen Wettstreit »Paris versus New York«, in dem Vahram Muratyan die beiden Metropolen mit aufs Typische reduzierten Grafiken sehr sympathisch gegeneinander ausspielt.

Books & Livres: Galignani bezeichnet sich selbst als älteste englische Buchhandlung auf dem Kontinent – seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist sie unter den Arkaden der Rue de Rivoli ansässig, gegründet wurde sie schon im Jahr 1801. Bis fast unter das Glasdach reichen im schönen Laden die eindrucksvollen meterhohen Bücherregale aus dunklem Holz, die aus den 1930er-Jahren stammen. Dank langer Leitern auf Rollen gelangen die Buchhändler auch an das oberste Fach, dazwischen stehen Büchertische mit Stapeln schwerer Kunstbände, ganz hinten im Raum mit der umlaufenden Galerie finden Fans von Crime Fiction und Thrillern Lesenachschub. Weil Galignani während des Zweiten Weltkriegs, als Paris unter der deutschen Besatzung litt, keine englischsprachigen Bücher verkaufen durfte, wich die Buchhandlung auf die »Beaux-Arts« aus – der Schwerpunkt Kunst blieb bis heute. Ein Prachtband über die Haute Couture oder den großen Modedesigner Dior, über französische Architektur oder Gartenbaukunst, der Katalog zur aktuellen Ausstellung in der Fondation Louis Vuitton oder ein Fotografie-Bildband. Früher soll Proust hier seine Notizbücher gekauft haben, schauten Charlie Chaplin oder Marlene Dietrich vorbei, heute kann man Karl Lagerfeld, Isabelle Adjani oder Alain Ducasse im Laden treffen, die sich dicke Bücherpakete nach Hause schicken lassen.

Galignani, 224 rue de Rivoli, 75001 Paris, www.galignani.fr, Mo–Sa 10–19 Uhr, Métro: Tuileries oder Concorde

REDAKTIONELLER BEITRAG / WERBUNG OHNE AUFTRAG

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