PARISER METRO: OBERIRDISCHE ARCHITEKTUR

Jugendstil: Selbst wenn der Himmel seine Schleusen öffnet und mehr Wasser kaum herunterkommen kann, macht der Jugendstileingang zur Metro noch »bella figura« auf der Place des Abbesses am Montmartre. Aber noch während die recht einheitlichen, heute weltweit berühmten Stationseingänge der Anfangszeit – nach Entwürfen des französischen Architekten Hector Guimard – gefertigt und installiert wurden (bis 1913), gab die Betreibergesellschaft der Pariser U-Bahn die Gestaltung »klassischer« Eingänge in Auftrag, gedacht für exponierte Situationen vor historischen Monumenten. Der erste neo-klassische Eingang dieser Art des Architekten Marie-Joseph Cassien-Bernard entstand 1904 vor dem Palais Garnier, der alten Pariser Oper. Im selben Stil geht es an den Stationen der Champs-Elysées hinunter zu den unterirdischen Bahnsteigen der Métro.

Metro-Linien 12 und 13: So vielfältig wie die »Totems« mit dem Métro-Signet und die Ausschilderung der Pariser Métro sind auch die Eingänge. Unterirdisch gab es bis in die 1960er-Jahre kaum »modische« Veränderungen, doch oberirdisch war das anders. So gingen die Nord-Süd-Verbindungen A und B (heute 12 und 13) mit einer anderen Betreibergesellschaft auch andere Gestaltungswege. Diese von der »Société du chemin de fer électrique souterrain Nord-Sud de Paris« selbst finanzierten Linien nahmen ab 1910 den Betrieb auf, kosteten aber ein Vermögen und ruinierten das Unternehmen, sodass die Stadt in den 1930er-Jahren die Strecken übernahm. Die Eingänge passten sich mehr der Umgebung an, so nehmen etwa die runden schmiedeeisernen Gitter die kreisförmige Gestaltung der Place Saint-Georges auf. Elegant sind die blau-grünen Kacheln des Eingangs zur Station Sèvres-Babylone, in eine Treppenanlage integriert wurde der Zugang bei Lamarck-Caulaincourt.

Bahnhöfe und Hauseingänge: In manchen Fällen sind die Eingänge kleine Miniaturbahnhöfe, so der aus Ziegelsteinen erbaute Pavillon der Station Javel-André Citroën direkt über den Gleisen, von dem Treppen zu den Bahnsteigen hinuterführen (heute Linie C der RER und Métro 10, zur Bauzeit um 1900 hieß die Station noch Pont Mirabeau). Ein ähnliches Bauwerk von 1904 bildet den Zugang zur oberirdischen Station Saint-Jacques. In anderen Fällen erforderte es der Platzmangel, die Eingänge in das Erdgeschoss benachbarter Häuser zu integrieren, so bei den Stationen Sentier oder Les Halles. Vaneau, ein schönes Beispiel für den Art-Déco-Stil, lehnt sich eng an Nachbargebäude an. Bei den Arènes de Lutèce, dem denkmalgeschützten römischen Amphitheater, erhielt der in den 1930er-Jahren errichtete Eingang zur Station Place Monge eine steinerne Fassade, deren Rundbögen und Säulen antike Stilelemente zitieren, während der rote Art-Déco-Schriftzug »Metro« die Entstehungszeit verrät. Auch der Art-Déco-Pavillon auf der Place des Fêtes entstand Mitte der 1930er-Jahre.

Moderne: Auch in weniger weit zurückliegenden Jahrzehnten entstanden noch neue Metro-Eingänge, funktionale wie die Glasüberdachung vor der Gare Saint-Lazare, aber auch künstlerisch-kreative wie der Eingang zur Station Palais-Royal auf der Place Colette, den Jean-Pierre Othoniel aus großen mundgeblasenen Murano-Glasperlen gestaltete.

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