CÔTE D’AZUR: AUSFLUGSTIPP ALTSTADT VON TOULON

Rückeroberung des historischen Zentrums: Die Altstadt von Toulon ist ein lebhaftes Viertel mit pastellfarbenen Fassaden und kleinen Platzidyllen. Ein paar Schritte von der befahrenen Avenue de la République entfernt, der zentralen Achse am Hafen entlang mit nüchternen riegelartigen Bauten, kann man schon in das einnehmende Gassengewirr eintauchen. Während das Hafengebiet als bedeutender Marinestützpunkt im Zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche gelegt wurde, blieben nördlich vom Quai Cronstadt ganze Straßenzüge von den Bomben verschont. Nachdem die Altstadt jahrelang verfiel, zeigt sie sich seit der Sanierung vieler Bereiche mit renovierten Fassaden und einer ausgedehnten Fußgängerzone. Rue Pierre Semard, Rue d’Alger und Cours Lafayette sind belebte Einkaufsstraßen, doch längst nicht jede Ecke wird kommerziell genutzt. Ein Blick wert sind die rund zwei Dutzend nach den Auflagen des Denkmalschutzes sanierten Gebäude des »îlot Baudin«: Das Bauensemble rund um den Place du Grand Couvent wurde vom Büro HA Architectes aus Toulon behutsam modernisiert und zur Stadt hin geöffnet, ohne seine intimen Platzcharakter zu verlieren.

Vorher / Nachher: Zentrale Plätze sind die adrette Place Puget mit alten Platanen und vielen Cafés, die Place Victor Hugo an der Oper und die Place de la Cathédrale mit der Kathedrale Sainte-Marie de la Seds. Sie stammt aus dem Mittelalter, wurde im 17. Jahrhundert umgebaut und diente im deutsch-französischen Krieg 1870/71 der Banque de France als Versteck für ihre Goldbarren. Charmant sind kleine verschwiegene Ecken wie der Platz mit alten Olivenbäumen vor der Passage Baboulene oder die Place du Globe beim Fotomuseum. Zum Abendtreff hat sich die Place de l’Equerre entwickelt, zuvor Brachland und eines der vielen Vorher/Nachher-Beispiele, die auf Infotafeln dokumentiert werden. Viel wurde schon renoviert, etwa die schöne Art-déco-Markthalle und die 400 Meter lange Königliche Seilerei aus dem 17. Jahrhundert, anderes wartet noch auf die Wiederbelebung oder den Abschluss der Umbauarbeiten wie das Opernhaus aus dem 19. Jahrhundert. Die Modernisierung beschränkt sich jedoch keineswegs nur auf die Architektur. Der »Plan de Mobilité 2025–2035« setzt Ziele für eine Verkehrswende zugunsten von ÖPNV, Fuß- und Radverkehr und für mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz – wie Paris soll sich Toulon zur »15-Minuten-Stadt« entwickeln.

Cours Lafayette: Am schönsten bummelt es sich vormittags an den Markttagen (tgl. außer Mo) durch die Fußgängerzone – der Wochenmarkt zieht sich über den ganzen Cours La Fayette mit seinen prächtigen Bürgerhäusern bis zur Touristeninformation an der Place Louis Blanc. Den bunten Wochenmarkt hat 1957 Gilbert Bécaud besungen (der Chansonsänger wurde 1927 in Toulon geboren). Wie schön, dass sich Sellerie auf Midi reimt: »Il y a tout au long des marchés de Provence, qui sentent, le matin, la mer et le Midi, des parfums de fenouil, melons et céleris«, beginnt der Liedtext. Das Institut National de l’Audiovisuel« (INA) bewahrt sogar eine alte Aufnahme davon mit Bild und Ton. An seiner Seite: Brigitte Bardot, die neckisch tanzt und wohl eine Markthändlerin darstellen soll (https://www.ina.fr/ina-eclaire-actu/brigitte-bardot-gilbert-becaud-amour-histoire-relation).

Toulon

Toulon

Toulon Place de l’Equerre