500 JAHRE REINHEITSGEBOT: VILLAGE DE LA BIERE IN STRASSBURG

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Schon seit Jahresbeginn wird das 500-jährige Jubiläum des Reinheitsgebots gefeiert: Im Jahr 1516 entschied der Bayerische Landständetag in Ingolstadt, eine von Herzog Wilhelm IV. vorgelegte Vorschrift für ganz Bayern verbindlich zu machen – dass zur Herstellung von Bier nur Gerste, Hopfen und Wasser verwendet werden dürfen. Damit ist das Reinheitsgebot das älteste noch immer gültige Lebensmittelgesetz in Deutschland. Heute verhindert das Gesetz chemische Zusätze, Farbstoffe, Konservierungsmittel und künstliche Aromen, damals galt das Gebot auch für Kräuter von Anis bis Wacholder.

Konkurrenz für »Fernsehbiere«: Mehr als das Jubiläum selbst ist ein prächtiger Grund zum Feiern, dass die Biervielfalt in letzter Zeit enorm zugenommen hat. Während die Braukonzerne, die industrielles Bier im großen Stil produzieren, darauf bedacht sind, geschmacklich konstant zu bleiben, stehen bei den Craft Breweries kleine, teils nur saisonal hergestellte Mengen in unkonventionellen Geschmacksrichtungen und das Wiederbeleben alter Brau-Traditionen im Fokus. Seit Craft Beer auf dem Vormarsch ist, entstehen vielerorts lokale Hausbrauereien, sind Bierbrau-Workshops schnell ausgebucht, beraten Biersommeliers im Restaurant, was zum Essen passt, und erscheinen Bücher wie »Bier selbst brauen. Schritt für Schritt zum selbst gemachten Bier« aus dem Dorling Kindersley Verlag, für die es vor ein paar Jahren noch viel weniger Leser gegeben hätte.

Village de la Bière: Mit hunderten an Biermarken eine Anlaufstelle für all jene, die sich für die neue Biervielfalt interessieren. Doch das Überraschendste: Den Laden in Straßburg gibt es nicht erst seit gestern, weil Bier im Trend ist, sondern schon seit vielen Jahren. Alain Pesez, der kundige Besitzer des Geschäfts, berät gern, was es mit India Pale Ale, Stout, Porter, Märzen, spontan-, ober- und untergärigen Bieren, mit hellen, dunklen, Rot- und Schwarzbier auf sich hat. Die Regale sind rappelvoll, mit Sans-Culotte, auf deren Etikett eine Elsässerin in Tracht ihren Rock lüpft, den belgischen Vapeur Cochonne und Mort Subite, Satan und Judas, mit nicht so leicht zu findenden internationalen Bieren aus Deutschland und Frankreich (aber auch Ægir, Nøgne Ø und Haandbryggeriet aus Norwegen, Wild und Beavertown aus Großbritannien, Brooklyn und Founders aus den USA, Mikkeller aus Dänemark, De Molen aus den Niederlanden und und und) sowie regionalen Bieren aus handwerklicher Produktion, zum Beispiel der Brasserie de la Perle. Da das Angebot wechselt, steht stets Neues im Geschäft, beispielsweise in der Adventszeit Weihnachtsbiere.

Village de la Bière, 22, rue des Frères, 67000 Strasbourg, Mo 14–19.30, Di–Fr 10–12.30 und 14.30–19.30, Sa 10–19.30 Uhr

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Obwohl das Elsass traditionell ebenso eine Bier- wie eine Weinregion ist, hatten auch hier nur einige wenige Brauereien überlebt. Seit ein paar Jahren wächst die Zahl unternehmungslustiger Bierfreunde auch in Frankreich, die Micro-Brasserien oder Biershops mit großer Auswahl gründen, beispielsweise den Bordeaux Beer Shop (57, rue des Faures, 33000 Bordeaux, Di, Mi 15–21, Do–Sa 11–21 Uhr, http://www.bordeauxbeershop.fr) oder Paris Saint-Bière (101, rue de Charonne, 11. Arrondissement, 75011 Paris, tägl. 12–2 Uhr, Infos auf Facebook)

 

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