WEINWISSEN: DIE FRANZÖSISCHE REBSORTE CHENIN BLANC

Unterschätzte Weißweine von der Loire: Chenin Blanc, eine alte weiße Rebsorte aus Frankreich, hat ihre Heimat im Loire-Tal, in den Appellationen Anjou, Saumur und Touraine. Doch sie wird in vielen Teilen der Welt angebaut, in Kalifornien, Südafrika und Argentinien etwa. Da ich wegen der langen Transportwege keine Weine anderer Kontinente trinke, bleibt das hier außen vor. Nach einem außerordentlich guten Chenin Blanc aus Vouvray, in Paris im Avant Comptoir du Marché probiert, habe ich mir zur häuslichen Verkostung weitere Chenin Blancs bestellt. Wohl wissend, dass die bei uns wenig bekannte Rebsorte als Chamäleon gilt – wie beim Chardonnay können aus ihr vielschichtige, ausdrucksstarke Weißweine gekeltert werden, wenn der Ertrag begrenzt wird, aber auch absolut banale Allerweltstropfen. Ausgebaut wird Chenin Blanc trocken, halbtrocken und durch ihre Anfälligkeit für Edelschimmel auch gern als Süßwein. Auch für Schaumweine wird die ausgeprägte Säure der Traube geschätzt: So wird nicht nur der Crémant de Loire, sondern auch der Crémant de Limoux, ein Schaumwein aus dem Languedoc, mit 20–40 Prozent Chenin Blanc hergestellt (neben Chardonnay und Mauzac). Die Säurestruktur verleiht den Weinen zudem ein gutes Reifepotenzial. Noch gilt die urfranzösische Rebsorte hierzulande als Exot, doch steht sie für Individualität und unverwechselbaren Charakter abseits der Uniformität globaler internationaler Stilistik – und immer mehr Weintrinker wünschen sich Entdeckungen jenseits massentauglicher Sorten- und Geschmacksmonotonie.

Weinbau am längsten Fluss Frankreichs: Der Absatz von Chenin Blanc ist hierzulande gering – ganz im Gegensatz zu Frankreich, wo der Loire-Wein meist sortenrein ausgebaut und äußerst gern getrunken wird. Zwar steht Frankreich nach Italien an zweiter Stelle der Weinimporte nach Deutschland, doch das Anbaugebiet Loire fristet eher ein Nischendasein. Nur etwa 15 Prozent der Produktion werden exportiert, der große Rest wird im eigenen Land getrunken. Mit Ausnahme der Exportschlager Sancerre und Pouilly-Fumé – aus Sauvignon Blanc – werden die Weißweine weitgehend übersehen. Das ist schade, denn einige interessante Entdeckungen wie eben der Vouvray aus Chenin Blanc genießen nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Von der Auvergne bis zum Atlantik, auf einer Länge von 1000 Kilometern, wird an der Loire Wein angebaut und insgesamt rund 70.000 Hektar Rebfläche bewirtschaftet – mehr als Rheinhessen, Baden und Pfalz zusammen. Die spannende Vielfalt an Rebsorten, Bodenformationen und Stilen unterschiedlicher Weinbaugebiete kann eigentlich kaum unter einen Oberbegriff zusammengefasst werden – während bei Nantes in der Nähe der Flussmündung Muscadet eine große Rolle spielt, werden in den Bergen des Zentralmassivs aus Gamay und Pinot Noir leichte Rotweine gekeltert. Und dazwischen liegen rund 60 unterschiedliche Appellationen. Das Anbaugebiet profitiert einerseits vom Klimawandel, andererseits waren hier Weinberge bis vor einiger Zeit noch günstiger als im Bordelais oder Burgund, sodass hier eine Riege junger ehrgeiziger Winzer:innen neu durchstarten konnte (nicht umsonst ist die Loire Zentrum der französischen Naturwein-Bewegung). Und konnte Weinautor Hugh Johnson Ende der 1980er-Jahre noch schreiben: »Ein wirklich trockener Vouvray enthält so viel Säure, daß er in der Jugend kaum zu trinken ist«, sind die wärmeren Sommer für die Reife der Chenin-Blanc-Trauben eine echte Chance.

Eigenwilliger Charakterwein: Da es gar nicht so einfach ist, gleich mehrere Flaschen trocken ausgebauten Chenin Blanc beim Weinhändler um die Ecke zu bekommen, habe ich meine Auswahl bei K&U bestellt, von den Weingütern La Grange Tiphaine (Winzer Coralie und Damien Delecheneau), Taille aux Loups (Winzer Jacky Blot), Guiberteau (Winzer Romain Guiberteau) und Bellivière (Winzer Eric Nicolas). Die gewöhnungsbedürftigen, anspruchsvollen und komplexen Weine könnten auch den größten Kenner verunsichern, heißt es auf der Website der Weinhalle K&U zur Rebsorte Chenin Blanc – »mal wirkt sie regelrecht ‚faulig’ und muffig im Duft, um wenige Monate später aromatisch zu brillieren, daß es eine Freude ist. Im Stadium der Reife duftet hochwertige Chenin Blanc schließlich komplex nach gelben Gewürzen wie Safran, Kurkuma oder Kardamom und betört mit orientalischer Aromenpracht«. Zu den Winzern und der Rebsorte ist bei K&U ausführlich nachzulesen. Spezialisiert ist die Weinhandlung auf besonders engagierte und kompetente Winzer, die sich den weniger bekannten Rebsorten widmen, oft in biologischem oder biodynamischem Anbau. Bei einer Weinprobe in Köln habe ich außerdem einen Chenin Blanc von François Chidaine verkostet, einem weiteren empfehlenswerten biodynamisch arbeitenden Winzer von der Loire, sowie von der Domaine des Roches Neuves (Winzer Thierry Germain). Die Weine dieser beiden Winzer erhält man bei der Stuttgarter Weinhandlung Kreis.

 

www.weinhalle.de

www.wein-kreis.de

Rebsorte Chenin Blanc

Rebsorte Chenin Blanc

REDAKTIONELLER BEITRAG / WERBUNG OHNE AUFTRAG

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