WANDERN IN DER PROVENCE: AN DER SÜDSEITE DER MONTAGNE SAINTE-VICTOIRE
Der heilige Berg: Östlich von Aix-en-Provence ragt die majestätische Montagne Sainte-Victoire wie ein mächtiger Felswall auf, ein magisch anziehender Anblick. Bei angenehmen Temperaturen, strahlend blauem Himmel und fantastischem Licht lag es in der frühlingshaften Provence nahe, nicht in erster Linie Sehenswürdigkeiten abzuklappern, sondern zu Fuß durch die südfranzösische Natur zu wandern. Zahlreiche kleinere Rundwege sind rund um das grandiose Bergmassiv markiert; ganz hinauf auf den Kamm und bis zum Croix de Provence führt der blau markierte und nicht ganz einfache Sentier Imoucha. Nach einer Tour im Luberon und beim Bimont-Stausee an der Nordseite der Montagne Sainte-Victoire zog es uns jedoch diesmal an die Südflanke des Höhenzugs.
Malermotiv: Startpunkt ist der Parkplatz Saint-Ser an der D17, auch »Route Cézanne« genannt, die als einzige Straße in Frankreich als historisches Monument klassifiziert ist (www.routecezanne.com). Der 1839 in Aix geborene Maler widmete dem eindrucksvollen Gebirgszug mehr als achtzig Gemälde und machte ihn so weltweit bekannt. Im Château Noir und in einer alten Windmühle zwischen Aix und Tholonet an der Route hatte Paul Cézanne Räume gemietet, um sein Material unterstellen zu können, das er dann auf seine Streifzüge mitnahm.
Wegverlauf: Ohne IGN-Wanderkarte gehe ich ungern los, doch auf dieser 45-minütigen Tour erst durch Garrigue, dann in Serpentinen bergauf ist der Weg nicht zu verfehlen. Obwohl sich auch Familien in Turnschuhen mit kleinen Kindern an den Aufstieg machten, sind Wanderstiefel zu empfehlen. Von Juni bis September kann der Zugang wegen Brandgefahr untersagt sein, also vorab erkundigen (www.grandsitesaintevictoire.com). Von unten lässt sich die Ermitage Saint-Ser lange nicht ausmachen; erst, wenn man schon fast ihre Höhe erreicht hat, gerät die an den Felsen geschmiegte Kapelle in den Blick. Die vor eine Grotte gebaute zierliche Ermitage wurde 1001 vom Bischof aus Aix-en-Provence das erste Mal geweiht. Über die Jahrhunderte mehrfach verfallen und wieder aufgebaut, wurde die Kapelle zur Jahrtausendwende erneut restauriert und 2001 von einem Bischof aus Aix geweiht.
Weitsicht: Ende April blühte es ringsherum, ganze Thymianteppiche, knie- bis hüfthoher Rosmarin und die buschig wuchernde Weißliche Zistrose, die trotz ihres Namens kräftig pinkfarbene Blüten mit orangefarbenen Staubblättern ausbildet. Oben angekommen reicht der Ausblick weit in die mediterrane Landschaft mit ihren Weinfeldern, Wäldchen und Olivenhainen, während im Rücken die schroffen Felsen des rund 18 Kilometer langen Kalkgebirges aufragen. Ein Stück entfernt ist ein rostrot leuchtender Steinbruch zu erkennen. Die Tuileries de Marseille, die den hier abgebauten Ton zu den typisch provenzalischen Dachziegeln brennen, sollen allerdings im Juni diesen Jahres geschlossen werden.
Glücksfund: Die schönsten Entdeckungen macht man oft unverhofft. Im mittäglich schläfrigen Puyloubier hatten wir die Hoffnung auf ein Mittagessen schon abgehakt und gerade noch ein Bier im Tabac ergattert, bevor auch dessen Betreiber die Rollläden herunterließ. Doch mitten im Ort gab es unter alten Platanen auf einem ausgesprochen hübschen Platz noch einen freien Tisch für uns. Und das Restaurant La Place entpuppte sich als Glückstreffer. Die Küche setzt auf Nachhaltigkeit und hat kulinarische Ambitionen, hier gibt es nicht rustikale Bistro-Hausmannskost, sondern feine, zeitgemäße Gerichte aus regionalen Produkten (www.la-place-puyloubier.com).



