WANDERN AUF KORSIKA: SISCO AM CAP CORSE
Bergdörfer: Wie bei vielen Gemeinden am Cap Corse ist Marine de Sisco nur der touristische Ableger am Meer von mehr als einem Dutzend Bergdörfern (von denen keins Sisco heißt). Meist neueren Datums sind daher die Häuser entlang der Küstenstraße und des Kieselstrands, wo auch das namengebende Flüsschen Sisco ins Mittelmeer mündet. Besonders empfehlenswert zur Einkehr nach einer Wanderung weiter oben in den Bergen ist der gerade erst im Mai eröffnete Feinkostladen mit Bar am Kreisel, gegenüber der Domaine de Pozzu. Von der noch flachen Talebene windet sich das Sträßchen D32 dann hinauf auf die Anhöhen. Wir sind bis Balba hinaufgefahren und dort zur Wanderung gestartet, die Mairie von Sisco empfiehlt den Parkplatz im Teilort Moline (www.mairie-de-sisco.com/le-sentier-et-sa-carte-geeographique, knapp 6 km, 2:30 Stunden), was durchaus sinnvoll ist, das es sonst zuletzt wieder bergauf geht. Unentbehrlich für Wandertouren am Cap Corse ist daher die IGN-Karte TOP 25 4347 OT im Maßstab 1:25000.
Amerikaner-Häuser: Entlang des Wegs zu entdecken sind ein runder Wachturm in Balba und ein mächtiger quadratischer Pisanerturm in Munacaja. Am Weg bergauf liegt auch die Kapelle Santa Maria Maddalena von U Chjosu. Die Route berührt Barrigioni, das hübsche Ciprunascu mit vielen Durchgängen und überwölbten Gässchen, den Weiler Teghje und das ehemalige Kloster Sant’Antone. Die korsische Bevölkerung lebte in Bergdörfern, um vor den häufigen Angriffen von See her besser geschützt zu sein (wie Jan Philipp Reemtsma in anderem Zusammenhang schreibt, war das Mittelmeer noch im 18. Jahrhundert eine »piratengesättigte« Region, mit dem protegierenden Osmanischen Reich im Hintergrund). Doch außer den eng gedrängten Steinhäusern der Bergdörfer stehen auch prächtige Villen am Cap Corse selbst in den entlegensten Weilern. Von bitterer Armut gezwungen, gingen viele korsische Auswanderer im 19. Jahrhundert nach Puerto Rico, Venezuela oder Hispaniola, um in Übersee ihr Glück zu suchen. Reich geworden, ließen sie nach ihrer Rückkehr ins Heimatdorf große Palazzi Im Kolonialstil mit meist üppigen Gärten errichten. Zwei Beispiele sind die Villa Gaspari-Ramelli in U Chjosu und die Villa Saint-Pierre in Munacaja. Insgesamt soll es noch mehr als 140 Amerikaner-Villen geben, die über alle Gemeinden des Cap Corse verteilt sind.

