ELSASS: LIEBLINGSORT KIENTZHEIM
Fotogen: Elsass wie aus dem Bilderbuch. In Eguisheim tritt man nur vor die Tür (seines Hotels, seiner Ferienwohnung oder aus dem Restaurant) und schon wird man fotografiert. Oder läuft direkt in ein Selfie. Denn mit dem Handy muss alles festgehalten werden. Mit Kaysersberg, Riquewihr und Ribeauvillé zählt Eguisheim zu den schmucksten und meistbesuchten Dörfern an der elsässischen Weinstraße. Denn wegen Butzenscheiben, Burgen, buntem Fachwerk und üppigem Blumenschmuck kommen die Menschen in die Winzerorte des Elsass. Und das in großer Zahl, ob jetzt im Juni oder im Herbst. Also muss man in den genannten Dörfern nicht nur mit rustikal dekorierten Winstubs, zahllosen Probierkellern und als Restaurants verkleideten Touristenfallen rechnen, sondern auch mit den immer gleichen Souvenirshops, deren Artikel vom Plüschstorch über Plastikbrezeln bis zum »Elsassmädchen als Kapselheber« das Gruseln lehren. Weihnachten ist hier sowieso das ganze Jahr über, Nikolausstrümpfe und Christbaumschmuck scheinen auch bei hochsommerlichen Temperaturen Abnehmer zu finden. Genau wie Schweinshaxe, Würste und Choucroute offensichtlich selbst bei 34 Grad.
Mauerschau: Viel schöner ist manchmal der kaum besuchte Ort nebenan. Denn der Rummel beschränkt sich auf eine Handvoll Dörfer sowie Colmar und Straßburg. Innerhalb des mittelalterlichen Mauerrings gibt es auch in Kientzheim hübsch restaurierte Fachwerkhäuser, Renaissance-Brunnen, Kopfsteinpflaster, Winzer und sogar ein von einem Park umgebenes Schloss. Darin hat die Confrérie Saint-Etienne ihren Sitz, die älteste, schon im 14. Jahrhundert gegründete Winzerbruderschaft des Elsass, die dort ein Weinmuseum einrichtete. Doch auf den Sträßchen im Ort ist man allein, zwei Hotels, zwei Restaurants und ein winziges Café bezeugen den geringen Andrang. Komisch, gleich nebenan tobt der Bär. Aber wie erholsam! Was für eine herrliche Ruhe, nächtigt man im Hotel Abbaye d’Alspach in einem ehemaligen Kloster (www.hotel-abbaye-alspach.com/de/). Und wie angenehm sitzt man am Brunnen auf der Place Schwendi oder drinnen im Restaurant Côté Vigne und lässt sich mal Saisonales auftischen (https://cote-vigne.fr/). Aber das Schönste ist die Promenade des Remparts, auf der man Kientzheim entlang seiner Befestigungsmauer mit Blick auf die Weinberge umrundet. Beginnend am Untertor, der Porte de Lalli aus dem 15. Jahrhundert mit einer Schießscharte in Form einer Maske mit großem Mund, deren metallische Zunge man früher wohl dank eines Mechanismus bewegen konnte, spaziert man durch ein Spalier von Kirschbäumen, deren jetzt reife Früchte die Einwohner von Kientzheim ernten dürfen.
Elsässische Weinstraße: Entlang der etwa 170 Kilometer langen Route des Vins zwischen Marlenheim im Norden und Thann im Süden bestellen in 70 Weindörfern rund 1000 Winzerbetriebe ihre Rebhänge (www.weinstrasse.alsace).




