NEUE KOCHBÜCHER IM HERBST 2020

Kochen und Corona: Einige Menschen wollen auch nach den Lockerungen des Lockdowns mehr zu Hause kochen, und angesichts der drohenden zweiten Welle seltener oder gar nicht Restaurants frequentieren. Also kaufen sie Kochbücher, würde man denken… Und falls sie bisher nicht kochen können, wäre doch jetzt die beste Zeit es zu lernen? Aber in den Verlagen wurde allerorten gespart. Meine Aufträge als Kochbuch-Übersetzerin und -Redakteurin ergaben ein anderes Bild: im Frühjahr und Sommer null Aufträge für den Herbst (das eigentlich starke Weihnachtsgeschäft im Buchhandel), alles geschoben oder gecancelt. Teils im Kochbuch-Herbstprogramm: nichts! Mal abgesehen von meiner ganz persönlichen Auftragslage ist diese Vorschau diesmal also etwas reduziert.

Kochen als Physik? Einige zuletzt gut verkaufte Koch- und Kulinarikbücher haben erfolgreich versucht, die Prozesse in Kochtopf, Bratpfanne, Backofen oder Salatschüssel ganz neu zu erklären – ich denke da unter anderem an den Bestseller »Salz Fett Säure Hitze« von Samin Nosrat. Dieses Prinzip hat auch Yotam Ottolenghi für sein neuestes Werk »Flavour« adaptiert, zum Teil zumindest, zusammen mit seiner Köchin Ixta Belfridge, und verspricht uns »Geschmacksbomben« aus Gemüse. Man traut dem israelisch-britischen Starkoch zu, den Themen »Rösten, Bräunen, Ziehenlassen, Reifung« und »Süße, Fett, Säure, Chilischärfe« überraschende neue Aspekte abzugewinnen, denn fürs Abkupfern ist er nun wirklich nicht bekannt, sondern im Gegenteil  – als einer der kreativsten Köpfe der Foodwelt (DK Verlag, bereits erschienen).

Grüner wird’s nicht: Die Kundin hat die Qual der Wahl zwischen einer Vielzahl an vegetarischen Kochbüchern, deren Rezeptbandbreite von bewusst rustikal über brutal lokal bis zu elaboriert-abgehoben reicht. Der AT-Verlag hat nun ein vegetarisches Kochbuch von Tanja Grandits angekündigt, von dem ich mir viel erwarte: »Tanja vegetarisch« erscheint im Oktober. Viele Verlage versuchen Sterneköche zu möglichst einfachen Gerichten mit leicht erhältlichen Zutaten für ihre Kochbücher zu überreden. Die können dann zwar nicht ihr ganzes Können zeigen, dafür sind die Verkaufsaussichten der Rezeptsammlungen deutlich höher. Man darf gespannt sein, in welche Richtung Sterneköchin Tanja Grandits geht… Der Untertitel des Kochbuchs, »Grüne Lieblingsrezepte für jeden Tag«, spricht für durchaus Nachkochbares. Außerdem freue ich mich auf den zweiten Teil des vegetarischen Kochbuchs von Nigel Slater, »Greenfeast – Herbst und Winter« (DuMont Verlag, bereits erschienen). Im Band zu Frühjahr und Sommer überzeugten schon einige alltagstaugliche Kochideen, von Kartoffeln mit Spinatsauce bis zu Zucchini, Zatar, Kräuterjoghurt. Auch aus »Tante Poppis Küche« mit griechischen vegetarischen Rezepten habe ich bereits einiges ausprobiert und den Band hier bereits ausführlich vorgestellt (DuMont Verlag, bereits erschienen)

Foodtrends: Manche sogenannten Foodtrends verdanken ihren Erfolg Instagram, wo plakative Optik im Vordergrund steht – ich sage nur schwarzes Eis, Einhorntorten, Sushi-Donuts oder Bowls Bowls Bowls. Schön, bunt und kontrastreich muss das Essen rüberkommen, Foodporn eben. Ein weiterer der visuellen Trends hat es nun zum Buch gebracht: glamourös inszenierte »Foodboards« (Christian Verlag), also aufwendig hergerichtete Platten mit Aufschnitt und/oder Käse, Oliven, Nüssen, Trauben und mehr, von denen sich die Gäste bedienen, was auch dem ebenfalls gerade populären »Sharing-Trend« entgegenkommt. Bei den überbordenden, teils passend zum Anlass oder zur Jahreszeit als Motive angerichteten »Charcuterie Boards« und »Cheese Boards« weiß man nicht genau, ob man sich nun in die 50er-Jahre zurückversetzt fühlen soll oder doch lieber gleich zugreifen möchte. Andere Foodtrends entstehen als Hypes der Gourmetküche in der gehobenen Gastronomie und werden dann für die Alltagsküche etwas heruntergestutzt. So auch die neue Naturküche, neudeutsch »Foraged Food«: Wie vielfältig der Wald als Speisekammer ist, zeigen die saisonalen Rezepte in »Waldküche« mit Waldbeeren, Tannennadeln, Holunderblüten, Pilzen oder Wild von Bernadette Wörndl, einer absolut vertrauenswürdigen Kochbuchautorin aus Österreich (Hölker Verlag, bereits erschienen).

Winter is coming: Neben den stets wieder aufgelegten Adventsbackbüchern versuchen die Kochbuchverlage auch, dem Thema »Kochen und Backen für Weihnachten« immer mal wieder neue Seiten abzugewinnen. Nach »Hygge Christmas« ist das im Christian Verlag nun »Weihnachten in den Alpen« (bereits erschienen) – wie bei solchen Jahreszeitbüchern immer mit viel Stimmungsdrumherum zu Lasten der Rezeptanzahl.

 

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