AUSSTELLUNG IN LE HAVRE: PORTS EN VUES

Hafenbilder: Dass nicht nur Landschaften und die Farben von Himmel und Meer zu künstlerischen Arbeiten inspirieren, sondern auch Häfen mit ihren Kränen und Containern, Docks und Silos, Fähren und Öltankern zeigt das Musée d’art moderne André Malraux (MuMa) in Le Havre mit seiner Winterausstellung »Ports en vues«. Rund 30 Fotografinnen und Maler sind mit Werken vertreten, darunter Raoul Dufy, Émile Othon Friesz, Camille Pissarro, Albert Marquet, JR, Philippe de Gobert, CLEM (Claude le Meilleur), Jean Labellie, Jacqueline Salmon und Noémi Pujol. Mit rund 120 Exponaten in unterschiedlichen Techniken und aus verschiedenen Blickwinkeln lädt die Ausstellung zum Spaziergang durch die (Arbeits)Welt der Häfen. Für das Ausstellungsplakat wurde das Motiv »Grues« von Hassan Massoudy (geb. 1944 im Irak) gewählt. Dem in Paris lebenden Künstler, eigentlich als Kalligraf mit »Schrift-Kunst« bekannt, ist ein ganzer Raum mit farbgewaltigen Kompositionen gewidmet, die Massoudy in den 1970er Jahren im Hafen von Le Havre angefertigt hat, während seines Studiums an der Académie des Beaux Arts in Paris.

»Le Port du Havre«: Das Gemälde von Raoul Dufy (1877–1953) aus dem Jahr 1902 zählt zu den Neuerwerbungen des MuMa und komplettiert die Sammlung von bereits früher erworbenen Bildern. Der in Le Havre geborene Maler blieb seiner Heimatstadt sein Leben lang verbunden, und die maritime Szenerie an der Nordküste Frankreichs, der Hafen und die Badesaison lieferten für viele seiner Arbeiten die Motive. In Le Havre besuchte er eine Kunstschule, bevor die Pariser Académie des Beaux Arts ihn mit einem Stipendium aufnahm. Dank Schenkungen und Ankäufen gehören um 130 Werke Dufys zur Sammlung des MuMa, darunter auch das 1926 entstandene und ebenfalls gezeigte »L’Estacade et la Plage du Havre«. www.muma-lehavre.fr/en/exhibitions/raoul-dufy-le-havre

»LH2281«: Leider mit nur einer Arbeit vertreten ist Philippe De Gobert (geb. 1946), dem das MuMa 2021 eine große monografische Ausstellung gewidmet hatte. Erst erkundete der belgische Künstler auf langen Spaziergängen Le Havre und sammelte Eindrücke. Zurück in seinem Atelier in Brüssel baute er maßstabsgetreue Modelle von Gebäuden, die den Bauten Auguste Perrets nachempfunden sind, und fotografierte sie anschließend. Seine großformatigen Fotografien zeigen ein leeres, stilles, fast beunruhigendes Bild von Le Havre und der Architektur der Stadt, die in Frankreich zum Inbegriff des Wiederaufbaus nach dem Krieg wurde. https://philippedegobert.be/portfolio/le-havre-la-ville-reconstruite/

»Ballerina in containers, on the verge«: Vor der monumentalen Kulisse der Containerstapel im Hafen von Le Havre realisierte JR im Jahr 2014 eine Reihe von Fotografien mit vier Tänzerinnen und Tänzern des Balletts der Pariser Oper. Bei einigen Projekten des französischen Fotografen, Filmemachers und Straßenkünstlers (geb. 1983) besteht seine Arbeitsweise darin, großformatige Schwarz-Weiß-Fotografien, oft Porträts, an Häuserfassaden und anderswo anzubringen, für »Inside Out« etwa im Innern des Pariser Pantheon, am Gazastreifen, am Times Square in New York und vielen anderen Orten weltweit. www.jr-art.net/projects/ballet-le-havre-2014

»Brise-vent, quai Mazeline, Le Havre, carte des vents«: Es ist ganz schön schwierig, den Wind zu malen oder zu fotografieren. Unter den Fotografien von Jacqueline Salmon (geb. 1943), die im Muma 2016 mit einer umfangreichen Einzelausstellung vertreten war, fallen besonders die Werke auf, in denen sie Fotografie und Malerei verbindet. Als Antwort auf die Herausforderung fand Jacqueline Salmon zu ihren »cartes des vents«. Auf großformatige Ansichten des Himmels, des Meers und des Hafens zeichnet sie mit feinen Tintenstrichen und Pfeilen die Richtung und Verwirbelungen des Winds. www.jacquelinesalmon.com www.muma-lehavre.fr/en/exhibitions/jacqueline-salmon-du-vent-du-ciel-et-de-la-mer

Das MuMa: Wer in der Normandie Urlaub macht, sollte den Besuch dieses wunderbaren Museums unbedingt einplanen, allein schon wegen der langen Wand mit Gemälden von Eugène Boudin (1824–1898), einem der ersten Freilichtmaler, der als Wegbereiter des Impressionismus gilt und übrigens nicht nur den Hafen von Le Havre, sondern auch die von Camaret, Fécamp, Honfleur und weiteren Orten in der Bretagne und der Normandie malte, aber auch vor Kühen als Motiv nicht zurückscheute. Wirklich toll sind seine Himmel – kein Wunder, dass Camille Corot seinen Malerkollegen »roi des ciels« nannte. Allein die Dauerausstellung des 1961 eingeweihten Museums lohnt sich, und mit seinen Wechselausstellungen nimmt das MuMa häufig Bezug auf seine außergewöhnliche Lage direkt am Meer: Thema waren neben Ozeandampfern auch schon Wind, Wolken und Wellen.

 

Musée d’art moderne André Malraux, Le Havre, 8. November 2025 bis 5. April 2026, www.muma-lehavre.fr

Le Havre MuMa Eugène Boudin