AN DER GRENZE ZWISCHEN PFALZ UND ELSASS: WESTWALL-WANDERWEG

Deutsch-französische Nachbarschaft: In der Gegenwart ist der Grenzverkehr zwischen hiwwe un driwwe, von hüben nach drüben kein Problem, zwischen Elsässern und Pfälzern herrscht gute Nachbarschaft. Doch historisch ging es hin und her: Als Grenzregion war der südlichste Teil der Pfalz besonders von den Wechselfällen der Geschichte geprägt, immer wieder und über Jahrhunderte war die Region Zankapfel der Mächtigen. In der Folge kriegerischer Auseinandersetzungen wurden aus Franzosen mehrfach Deutsche und aus Deutschen Franzosen. Der Westwall auf deutscher Seite und die Maginotlinie im Elsass sind in Beton gegossene Zeugen der beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert. Da das Gelände hier eben ist, hätte es Angriffe mit Panzern und schwerem Gerät von beiden Seiten gestattet, so dass Bunker- und Schutzanlagen auf deutscher wie auf französischer Seite verstärkt ausgebaut wurden.

Der Westwall: Zum Schutz der deutschen Westgrenze wurde ab 1936 (offiziell ab 1938) ein enormer Wall bestehend aus Bunkern, Panzersperren, Stollen, Gräben und Stacheldrahtverhauen errichtet. Dieses militärische Verteidigungssystem erstreckte sich vom Niederrhein im Norden auf einer Länge von rund 620 Kilometern bis kurz vor Basel im Süden entlang der westlichen Grenze Deutschlands. Im Lauf der Bauzeit erhielt die Festungslinie den Namen »Westwall«, die Alliierten nannten sie »Siegfried-Linie«. Im Herbst 1938 erreichte die Zahl der Arbeiter, die unter der Aufsicht der »Organisation Todt« an der Befestigungslinie eingesetzt wurde, mit 250.000 ihren Höchststand. Allein im sogenannten Otterbachabschnitt in der Südpfalz entstanden bei diesem umfangreichsten Bauvorhaben des Dritten Reichs hunderte von Kleinbunkern, »Einmannringkampfständen« und mehr als ein Dutzend »B-Werke«, wie die Panzerwerke genannt wurden. »B« bedeutet eine Ausbaustärke der Bunkerwände und -decken von mindestens 1,50 m Stahlbeton. Bei Bad Bergzabern waren zudem zwei A-Werke geplant (Festungsanlagen mit eigner Luft- und Energieversorgung und Betonwänden von 2,5 bis 3,5 m). Die Propaganda des Dritten Reichs verkaufte der Bevölkerung das Projekt als »Friedensbollwerk«, das dem Feind das Eindringen ins Reich unmöglich machen sollte, de facto diente es der Vorbereitung des Angriffskriegs. Mit Parolen wie »Hier kommt niemand durch!« wurde es als unüberwindlich dargestellt.

Der Hintergrund: Entlang der ehemaligen Festungslinie führt ein mehrteiliger Westwall-Wanderweg zu Bunkerresten und Panzergräben, Höckerreihen und Ringständen – bei Steinfeld, bei Niederotterbach und Oberotterbach. Über 30 Schautafeln liefern Hintergrundinfos und Augenzeugenberichte, so bestehen beispielsweise die Höckerreihen, als Panzersperren errichtet, aus etwa 10 Tonnen schweren Höckern aus Stahlbeton. Wegen des hohen Gewichtes wurden die Höcker direkt vor Ort gegossen. Auch die eigens ausgehobenen Panzergräben sollten ein Hindernis für feindliche Panzer darstellen. In den Dörfern wie Nieder- und Oberotterbach, Steinfeld, Dörrenbach und Böllenborn-Reisdorf wurden dafür Barackenlager errichtet, Arbeiter zwangseinquartiert und Land enteignet. Für die entlegenen Dörfer bedeutete dies eine radikale Umstellung ihrer Lebensgewohnheiten, die nicht ohne Konflikte verlief. Erst auf dem Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg am 12. September 1938 gab Hitler erstmals den Bau der Westverteidigungsanlage bekannt. Nicht nur die gigantischen Rüstungsausgaben, auch die hohen Baukosten für den Westwall brachten das Deutsche Reich an den Rand des Staatsbankrotts – Hitler finanzierte den Krieg mit hemmungsloser Staatsverschuldung und brauchte ihn, um diese zu verschleiern. Dieses für die Nationalsozialisten typische »Wirtschaften auf Pump« versuchte Hitler mit rigoroser Zwangswirtschaft, der Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung und später dann der eroberten Länder zu kompensieren, doch im Krieg stieg die Neuverschuldung erst recht…

Wanderweg: Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden viele der Anlagen am Westwall gesprengt und vollkommen zerstört oder zugeschüttet. Langsam eroberte die Natur ihr Terrain zurück, die Bunker dienen Fledermäusen, Eidechsen und anderen Tieren als Lebensraum oder Rückzugsmöglichkeit, und aus manchem ehemaligen, heute wassergefüllten Panzergraben wurde ein idyllisches Feuchtbiotop. Erst Jahrzehnte später begann man, einige der erhaltenen Anlagen unter Denkmalschutz zu stellen, um auch nachfolgenden Generationen noch Geschichte veranschaulichen zu können. In Rheinland-Pfalz stehen heute alle Westwallanlagen unter Denkmalschutz, nicht nur Bunker, Höckerlinien, Minengänge, Stellungen und andere Hindernisse, auch landschaftliche Eingriffe wie die genannten Panzergräben.

Infos: https://www.steinfeld-pfalz.de/tourismus/westwall.html

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