24 STUNDEN IN DER WEINSTADT MAINZ

Wein am Rhein: Anfang November. Mainz ist in Nebel gehüllt, der imposante Dom nur schemenhaft zu sehen, der rote Buntsandstein wirkt matt. Es wird kälter und früher dunkel, und bei 8 Grad ist an eine Mittagspause im Biergarten oder auf der Terrasse der Sektkellerei Kupferberg nicht zu denken. Doch das ist kein Grund für Unmut, den Ausflug mit der Bahn hatte ich unternommen, um den Wochenmarkt und das Gutenberg-Museum zu besuchen und um mehr über die Weine Rheinhessens zu erfahren – dafür sind sommerliche Temperaturen nicht erforderlich. Um genauer in Erfahrung zu bringen, was es mit Mainz als »Great Wine Capital« auf sich hat, dafür komme ich nächstes Jahr wieder. Nur so viel: Die Stadt gehört zu einem globalen Netzwerk von Weinstädten, zu denen auch Bilbao und Bordeaux, Lausanne und Porto, Adelaide und Kapstadt zählen.

Anbaugebiet Rheinhessen: Beim Stadtbummel durch Mainz habe ich eine Handvoll Weinhandlungen besucht, um Empfehlungen einzusammeln und die Winzer:innen Rheinhessens kennenzulernen. Mehrmals wurden mir die Weine von Philipp Wittmann empfohlen, der überregional so bekannt ist und geschätzt wird, dass ich seine Erzeugnisse auch in Köln und Düsseldorf schon gekauft hatte. Weitere Tipps waren Matthias und Christian Runkel mit dem Weingut Bischel aus Appenheim, das Weingut Wagner-Stempel aus Siefersheim, das Weingut Gröhl aus Weinolsheim (der mir auch zum Mittagessen empfohlen wurde, ein sehr guter Weißburgunder), das Weingut Knewitz aus Appenheim, Johannes Hasselbach mit dem Weingut Gunderloch aus Nackenheim und das Weingut F & F Peters aus Nierstein. Einen guten Überblick mit dem quantitativ größten Sortiment an regionalen Flaschen soll die Rheinhessen-Vinothek im alten Proviant-Magazin bieten, doch sie hat nach den Corona-Lockdowns noch nicht wieder eröffnet. Der mächtige Ziegelbau wurde 1860 erbaut, um als Lager und Militärbäckerei die Brotversorgung der in Mainz stationierten Garnisonen sicherzustellen. Im Weinkontor Keßler (zwei Fotos zusammen mit zwei Fotos der Weinraumwohnung) habe ich zusätzlich noch Sekt von Raumland eingekauft – das Sekthaus aus Flörsheim-Dalheim ist in Deutschland mittlerweile zum Synonym für Top-Schaumweine geworden. Neben rheinhessischen sowie anderen deutschen und europäischen Weinen gibt es im Weinkontor eine kundige Auswahl an Feinkostspezialitäten (wie den Senf und Essig von Fallot oder Gewürze von Pfeffersack & Söhne) sowie Spirituosen (etwa die feinen Obstbrände von Rochelt).

Rebmeer auf Rübenackern: Mit knapp 27.000 Hektar bestockter Rebfläche ist die Region Deutschlands größtes Weinbaugebiet, hat aber nicht den besten Ruf, weil hier teils aus Rübenäckern maschinell zu bewirtschaftende Rebfelder wurden, während anderswo die Steillagen mühsame Handarbeit erforderten. Von 136 Gemeinden betreiben 133 Weinbau! Noch vor drei Jahrzehnten stand Rheinhessen vor allem für industriell produzierte Massenware, die »lieblichen« Tropfen prägten nicht nur das Image der Region, sondern aufgrund des hohen Exportanteils auch des deutschen Weins in aller Welt. Noch heute wandern drei Viertel der Ernte in die Fässer der Großkellereien, deren Weine als Verschnitt dann in den Regalen der Supermärkte und Discounter auftauchen. Doch eine beachtliche Zahl an Winzerinnen und Winzern arbeitet an der Wiederauferstehung der Region – zwischen Worms, Mainz, Bingen und Alzey wächst der Anteil der Spitzenbetriebe, zu denen das bereits genannte Weingut Wittmann in Westhofen zählt. Qualitativ und quantitativ liegt ihr Hauptaugenmerk auf der Paraderebsorte Riesling, doch auch sensationelle Burgunder begeistern Kenner und Genusstrinker, ein Klassiker ist der Silvaner und die Scheurebe wird gerade wiederentdeckt.

Laurenz: Mittags wäre ich gern in der Weinstube Rote Kopf eingekehrt, aber wie fast alle anderen hat sie derzeit (außer samstags) nur abends geöffnet – wohl noch eine Folge der Pandemie. In der Altstadt verlocken dann ab 16 oder 17 Uhr zahlreiche Weinstuben dazu, den Tagesausflug gemütlich ausklingen zu lassen, doch ich hatte einen Tisch im Laurenz in der Neustadt reserviert. Eine gute Entscheidung, wie sich schon bei der Vorspeise herausstellte, einem Salat mit Birne, Kartoffelschaum, Feldsalat, Ziegenkäse, Walnüssen, Schalotten und marinierten Trauben. Vorweg gab es als Aperitif noch einen anderen Sekt von Raumland, Blanc de Blancs brut, als Wein habe ich das Cuvée von Philipp Wittmann aus Weißburgunder und Chardonnay bestellt. Auch zur Weinhandlung des Laurenz (Aufmacherfoto) hatte ich einen Abstecher gemacht, wo mir die Winzerin Gesine Roll aus Monzernheim ans Herz gelegt wurde. Ihre hervorragenden Weine hatte ich zuvor schon mehrmals direkt bei ihrem Weingut Weedenborn bestellt, aber da längst alles ausgetrunken ist, habe ich sozusagen gleich nachgelegt. Bestens beraten und mit ein paar Flaschen im Gepäck, die den Bahntransport heil überstanden haben, bin ich wieder heimgereist. Eine schöne Buchhandlung mit Café habe ich in der Neustadt auch noch entdeckt: Bukafski.

Mainz

Mainz Weinhandlung Keßler

Mainz Restaurantg Laurenz

Mainz Ampelmännchen

 

Laurenz Weinhandlung, Kurfürstenstraße 18, Restaurant und Weinbar, Gartenfeldstraße 9, www.laurenz-mainz.de

Weinkontor Keßler, Heiliggrabstraße 9, www.weinkontor-kessler.de

Weinraumwohnung, Neubrunnenstraße 14, www.weinraumwohnung.de

Villa Vinum, Große Bleiche 44, www.villavinum.de

HammerWein, Münsterstraße 27, www.hammerwein.de

Rote Kopf, Rotekopfgasse 4, www.rotekopf.de

Kupferberg-Sektkellerei, Kupferbergterrasse, www.hochzeiten-kupferbergterrassen.de

Rheinhessen-Vinothek, Proviant-Magazin, Schillerstraße 11a, www.rheinhessen-vinothek-mainz.de

 

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