THIERCELIN: EINKAUFEN IN PARIS

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Einkaufslisten: Hobbyköche bevorzugen einfach erhältliche Zutaten und überschaubare Einkaufslisten, heißt es immer. Aber gibt es heute überhaupt noch schwer erhältliche Zutaten? Im Online-Handel sind exotische Gewürze aus jedem noch so fernen Winkel der Welt, neu entdeckte Superfoods, rare alte Getreidesorten und »Zauberpulver« von Alginat über gemahlene Blaubeeren und Spirulina bis zu Weizengras problemlos zu beschaffen, und selbst beim Discounter gibt’s inzwischen Chiasamen – das spricht wie die Vielzahl an Rezepten damit für eine gewisse Nachfrage. Aber wer bestellt sich seinen Lebensmittelvorrat schon gerne per Mausklick und Bildschirm? Lieber lasse ich mich von ganz besonderer Vielfalt in einem realen Geschäft verblüffen! Also beim nächsten Paris-Aufenthalt unbedingt dem Laden von Thiercelin einen Besuch abstatten – ein gut gehüteter Geheimtipp (der aber selbstverständlich auch einen Shop im Netz betreibt).

Anlaufstelle für Gourmets: Die Boutique liegt im 3. Arrondissement unweit des Carreau du Temple, der schönen restaurierten Markthalle aus dem 19. Jahrhundert, die jahrzehntelang als Gebrauchtklamottenmarkt gedient hatte. Seit 2014 bildet sie als schickes Kultur- und Sportzentrum einen neuen Anziehungspunkt im Viertel – und rundherum tut sich viel: In den Seitenstraßen der Rue de Bretagne eröffnen Designerboutiquen und Galerien, Cocktailbars und Coffeeshops wie The Broken Arm und das Fondation Café, angesagte Asia-Lokale wie das Nanashi in der Rue Charlot oder Restaurants mit glutenfreier Küche wie das Noglu. Sie alle ziehen eine junge Klientel an; Thiercelin jedoch gehört nicht zu den Hipsterbuden und schon gar nicht ginge es als Superfood-Start-up durch. Mehr als 200 Jahre und über sieben Generationen schon ist das 1809 gegründete Unternehmen als Gewürzspezialist in Frankreich tätig.

Scharf auf Gewürze: Noch zur Zeit Napoleons gründete der Winzer, Küfer und Essigmacher Jean Thiercelin unweit von Orléans seinen Gewürzhandel – vor allem mit Safran handelte er (bis heute eine Spezialität des Hauses). Zu Beginn des 20. Jh. waren es schon 30 000 Kilogramm jährlich, die vor allem aus Spanien importiert wurden, nachdem der Safrananbau in Frankreich immer mehr zurückging. Im Lauf der Zeit kamen viele weitere Gewürze aus den französischen Kolonien hinzu, Blüten für die Parfümerie und medizinische Pflanzen für die Apotheken. Neben Safran und vielen weiteren Gewürzen aus aller Welt, deren Rohstoffe direkt von den Plantagen bezogen werden, ist heute auch Vanille in großer Auswahl erhältlich (aus Madagaskar oder Tahiti), unzählige Pfeffersorten wie nepalesischer Timutpfeffer und Kubebenpfeffer, Gewürzmischungen, Curry und Masala, Samen von Fenchelsamen bis zu schwarzen Senfsamen, biologisch angebautes Getreide, Sirops, Salz und Fleur de Sel, Senf, Zuckersorten, Kakao und getrocknete Früchte.

Fürs Grünzeug: Erst das richtige Dressing macht aus grünen Blättern, Rohkost oder gegarten Zutaten einen Salat. Und ein schlechter Essig kann alles verderben… Als bekennenden Salatfan zieht mich bei Tiercelin also vor allem das Regal mit Essig und Öl magisch an. Arganöl, geröstetes Erdnuss- und Sesamöl, Walnuss-, Mandel-, Pistazien- und Haselnussöl, Steinpilzöl, Kürbiskern- und Traubenkernöl, geräuchertes Öl, Trüffelöl, Kräuteröl mit Basilikum oder mediterranen Kräutern gibt es …. Außerdem Feigen-, Limetten- und Himbeeressig, Hibiskusblüten- und Holunderblütenessig, Ingwer-, Safran- und Vanilleessig, Honigessig, Rosenessig, Estragonessig, Apfelessig, Kaffirlimettenessig. Mein Tipp: Außerdem Orangenblüten- und Rosenwasser mit in den Einkaufskorb packen! Allerdings ist nicht alles immer lieferbar: »Victime de son succès« heißt es teils – die Bestseller sind aufgrund der großen Nachfrage immer mal wieder aus.

Thiercelin, 3, rue Chales-François Dupuis, 3. Arrondissement, Métro: Temple, Di–Fr 14–19, Sa 11–19 Uhr

http://www.thiercelin1809.com

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