PARIS: LA CAVERNE DU PONT NEUF

Höhlenlandschaft: Unter dem Titel »La Caverne du Pont Neuf« verwandelte der französische Künstler JR die älteste Pariser Brücke in eine scheinbar felsartige Landschaft. Das Innere des aufblasbaren »Gebirges« ist begehbar, Audio- und Soundeffekte sollen beim Spazieren durch die Höhle vergessen lassen, dass man sich auf einer Brücke befindet. »Traverser La Caverne, c’est à la fois un voyage dans les entrailles de la ville et une invitation à voir le monde autrement«, heißt es auf der offiziellen Projektwebsite (https://lacavernedupontneuf.net/fr). Das höhlenartige Konzept beziehe sich auf die Steinbrüche, in denen einst der helle Kalkstein im Pariser Untergrund und damit das Material für viele Bauten abgebrochen wurde, auch für den Pont Neuf. Die Hommage an das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude und ihr Projekt »Pont Neuf Wrapped«, die 1985 die älteste Pariser Brücke komplett verhüllten, mag weniger politisch erscheinen als frühere Aktionen von JR, bei denen der Künstler die Grenzwand zwischen Israel und Palästina mit Fotos beklebte oder in Slums Frauen als Stützen der Gesellschaft würdigte. Für »Women Are Heroes« reiste JR nach Brasilien, Sierra Leone, Liberia, Kenia, Kambodscha und Indien, sprach mit Frauen über ihre Lebensgeschichte und fotografierte sie.

Paris als Leinwand: In Paris war JR schon recht häufig im Auftrag tätig, mit spektakulären Aktionen wie am Louvre: 2016 ließ er die Glaspyramide durch ein Trompe l’œil scheinbar verschwinden, 2019 stellte er sie in einen Krater. Aber auch an Palais de Tokyo, Palais de la Porte Dorée, Oper und Panthéon waren seine Arbeiten schon zu sehen. Die Paste-ups während der Renovierung des Pantheons im Innern und außen am Gebäude gehörten zum Langzeit-Gemeinschaftsprojekt »Inside Out«. Dabei gab JR Menschen weltweit mit monumentalen Porträts die Möglichkeit, auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Allein in den ersten acht Jahren nahmen mehr als 400.000 Menschen in rund 140 Ländern daran teil.

Verschoben: Wofür die Initialen JR stehen, verrät der Fotograf und Street-Art-Künstler nicht, der sich meist hinter Hut und Sonnenbrille verbirgt www.jr-art.net). Er arbeitet häufig mit riesigen Schwarz-Weiß-Fotos, bevorzugt Porträtaufnahmen von Menschen am Rand der Gesellschaft, Migranten der Pariser Banlieue, Frauen aus einer Favela in Rio de Janeiro, die ältesten Einwohner:innen in Städten wie Cartagena, Havanna oder Istanbul. Der 1983 geborene Franzose klebt seine großflächigen Kopien der Porträts an Häuserfassaden und Wände im öffentlichen Raum, an Containerschiffe, Bahnwaggons und Grenzmauern. Aber auch Architekturinstallationen wie die »Caverne« realisierte JR bereits mehrfach, etwa in Rom, Mailand und Florenz. In Paris muss jetzt die offizielle Eröffnung (ursprünglich 6. Juni 2026) verschoben werden, da am 2. Juni ein heftiger Windstoß die Planen aufgerissen hat und eine größere Reparatur ansteht.

Caverne du Pont Neuf JR Paris