KUNST UNTER FREIEM HIMMEL: LA DÉFENSE PARIS

Bürotürme für AnzugträgerEin Wohnviertel ist der Stadtteil La Défense mit seiner Wolkenkratzer-Skyline nicht. Nach der City of London steht das Hochhausviertel an zweiter Stelle der Finanzplätze und gilt als größte Bürostadt in Europa. 1959 wurde als erstes die CNIT-Messehalle (Centre National des Industries et Techniques) nach Plänen des Architekten Bernard Zehrfuss erbaut, die mit ihrem ausladenden Dach ein eindrucksvolles Beispiel der 50er-Jahre-Architektur darstellt. Das kühne, nur an drei Punkten in der Erde verankerte Betongewölbe war mit einer Spannweite von 230 Metern lange der weltweit größte Gewölbebau ohne Stützen. Seit den 1960er-Jahren folgte ein Hochhaus dem anderen, Computer-, Auto-, Erdölkonzerne und Banken bauten sich himmelstürmende Symbole ihrer Finanzkraft und Wirtschaftsmacht. Es entstand eine Satellitenstadt fast ohne Einwohner, denn die ursprünglich vorgesehene Mischung von Wohn- und Büroflächen wurde immer mehr zugunsten letzterer aufgegeben.

Manhattan-sur-Seine: Neben dem inzwischen bereits abgerissenen und durch das Cœur Défense ersetzten Esso-Turm war die Tour Nobel das erste Hochhaus von La Défense, erbaut in der Rekordzeit von sechs Wochen (1966). Spektakulärer waren die Türme der zweiten Generation, etwa die 178 Meter hohe Tour Fiat (heute Tour Areva des gleichnamigen Nuklearkonzerns). Die Fenster des schwarzen Monolithen von 1974 werden mit der Höhe immer größer, um die Perspektive von unten zu wahren. Zur dritten Generation zählen die 187 Meter hohe Tour Total des Ölkonzerns (früher Tour Elf), ein Büroturm mit Spiegelfassade (1985), und die Tour Descartes (heute Tour Eqho für IBM) mit einer matten Alufassade (1987). Zuletzt wurde der Axa-Turm von 159 auf 231 Meter aufgestockt und ist als Tour First seit 2011 das höchste Gebäude Frankreichs. Ein Wolkenkratzer namens The Link ist bereits im Bau, der ihm den Rekord mit 242 Meter Höhe streitig machen soll, 2027 will das Hermitage Plaza mit 320 Meter hohen Zwillingstürmen erneut übertrumpfen.

Dauerausstellung: Die Türme gruppieren sich um die große Freifläche des Parvis de la Défense, über die meist ein unangenehmer Windzug pfeift. Mitten darauf steht unübersehbar die tonnenschwere, 15 Meter hohe rote Spinne von Alexander Calder, und auch den kaum kleineren goldenen Daumen von César findet man leicht. Denn tatsächlich ist La Défense auch ein Freilichtmuseum der besonderen Art: Allerdings sind die rund 70 Werke von de Miller, Miró, Serra, Venet und vielen weiteren Bildhauern, die als größte Sammlung moderner Skulpturen unter freiem Himmel in Frankreich gilt und manchem Museumsleiter Respekt abnötigen dürfte, viel zu wenig bekannt. Hinter dem Wasserbecken von Takis mit seinen Signalzeichen am Ende des Parvis erblickt man in der Ferne den Arc de Triomphe. Mit leuchtenden Farben macht sich das Wandbild von Atila (Le Sculpteur des Nuages) bemerkbar, durch Übergröße auch der metallene Footballhelm von Ben Jakober. Andere unauffälligere Werke muss man erst aufspüren – im französischen Wikipedia stehen die Koordinaten, beim Office de Tourisme des Départements gibt einen Führer mit Lageplan. Mein Favorit ist das fröhliche Werk von Raymond Moretti: 672 farbige Glasfiberstäbe akzentuieren als bunte Verkleidung einer Abluftröhre die Vertikale. Denn auch anderswo gefallen mir Kunstwerke besser, die Bezug auf ihre Umgebung nehmen – hier sind das unter anderem Traits d’union, eine Glasarbeit von Hervé Mathieu-Bachelot und André Ropion in der RER-Station oder der Arc déplacé von Christine O’Loughlin. Leider sind hier wie so oft Künstlerinnen in der Minderzahl.

https://fr.wikipedia.org/wiki/Liste_des_œuvres_d%27art_de_la_Défense

www.tourisme92.com/plans-quartier-paris-la-defense.html

 

Moderner Triumphbogen: Wie die Glaspyramide am Louvre und die Bastille-Oper gehört die Grande Arche zu den »Grands Travaux«, den Prestigeprojekten von Staatspräsident François Mitterrand. Das spektakuläre architektonische Aushängeschild von La Défense konzipierte der dänische Architekt Johan Otto von Spreckelsen (1929–87) als ein gigantisches »Fenster zur Welt – mit Blick in die Zukunft« und setzte auf symbolische Maße: Das monumentale Tor nimmt nicht nur die Form des Triumphbogens wieder auf, sondern auch die Maße der quadratischen Cour Carrée – der innere Ausschnitt des Bogens entspricht dem Ehrenhof des Louvre – und ist so breit wie die Champs-Élysées. Nach mehreren Jahren der Sperrung ist seit 2017 auch die Aussichtsplattform des Triumphbogens wieder zugänglich: Die 100 Meter lange »Sky Avenue«, eine Art Promenadenweg, erschließt die 1000 Quatradtmeter große Dachterrasse.

ww.lagrandearche.fr, tgl. 9.30–18.30 Uhr, Dachterrasse 15 €

Pris La Défense Frankreich

 

 

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