ESSEN, WAS MAN RETTEN WILL: JAKOB-FISCHER-APFEL

Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckte Landwirt Jakob Fischer in unmittelbarer Nähe seines Hofs in Oberschwaben die später nach ihm benannte Apfelsorte, die teils auch »Schöner vom Oberland« oder »Roter vom Oberland« genannt wird. Der Urbaum steht noch heute als Naturdenkmal im Landkreis Biberach. Die großen und duftenden Früchte, deren hellgelbe Schale beim Reifen ein kräftiges Rot entwickelt, sind wunderbar saftig, aromatisch und feinsäuerlich. Zwar eignen sich die Äpfel sowohl als Tafelobst als auch zum Einmachen, Backen, für Saft, Apfelmus und Kompott, für den Erwerbsanbau im großen Stil sind sie aber wegen der geringen Lagerfähigkeit wirtschaftlich nicht attraktiv. Die Früchte sind Anfang bis Mitte September pflückreif und sollten schnell verbraucht werden, da sie nur etwa vier Wochen haltbar sind. Durfte er früher in Oberschwaben auf keiner Streuobstwiese fehlen, ist die Zahl der Bäume heute nur noch sehr gering. Um auf den Rückgang solch wertvoller alter Obstsorten aufmerksam zu machen, wurde der Jakob-Fischer-Apfel 1998 in Baden-Württemberg zur »Streuobstsorte des Jahres« gewählt.

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Das Thema »Kulturgut Streuobst« gehört zu den Schwerpunkten des Freilichtmuseums Beuren. Auf den weitläufigen Wiesen kann man nicht nur zahlreiche Obstsorten kennenlernen wie den leuchtend roten »Rosenapfel vom Schönbuch«, »Paulsbirne« und »Schweizer Wasserbirne«, »Brettacher«, »Luikenapfel« und »Linsenhofer Sämling«, sondern in einer aus Beuren stammenden Scheuer auch eine kleine Ausstellung besuchen, mit Obstmühlen und Obstpressen, Holz- und Maischezuber, verschiedenen Krügen und Fässern für die Verarbeitung der Früchte und die Herstellung von »Moscht«, dem »schwäbischen Nationalgetränk«. Vor der Ernte und der Verarbeitung von Äpfeln und Birnen steht die mühsame Arbeit der Baumpflege, Eine besondere Herausforderung stellt die Verarbeitung des museumseigenen Obstes dar – jetzt im September hing jeder Baum gepackt voll mit Früchten und man konnte beim Obstdörren zuschauen.

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Es lohnt sich, für den Herbst zwei Termine im Kalender vorzumerken: der »Archemarkt des Geschmacks« am 25. September steht unter dem Motto »Essen, was man retten will« und präsentiert in Zusammenarbeit mit Slowfood alte Obst- und Gemüsesorten sowie Spezialitäten daraus. Und am 9. Oktober geht es beim »Moschtfescht« um Streuobstwiesen und die Mostherstellung.

Seit Mai 2012 ist der Jakob-Fischer-Apfel ein Passagier der Slow Food »Arche des Geschmacks«. Das internationale Slow Food-Projekt zur Erhaltung der Biodiversität schützt weltweit über 3000 regionale, in ihrer Existenz bedrohte Lebensmittel, Nutztierarten und Kulturpflanzen vor dem Vergessen und Verschwinden, in Baden-Württemberg gehören dazu beispielsweise die Alblinse, die Champagner Bratbirne, das Stuttgarter Geißhirtle, die Höri Bülle und das Schwäbisch-Hällische Landschwein.

https://www.slowfood.de/biokulturelle_vielfalt/arche_des_geschmacks/

Freilichtmuseum Beuren, In den Herbstwiesen, 72660 Beuren, Tel. 07025 / 911900, Di–So 9–18 Uhr, Tante-Helene-Lädle Di–Sa 12.30–17.30, So 11–17.30 Uhr, Eintritt 7 €, Kinder und Jugendliche (6–17 Jahre) 3,50 €, Familienkarte 15 €

http://www.freilichtmuseum-beuren.de

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