VERARBEITEN, WAS MAN RETTEN WILL: STREUOBST

Eine Frage des guten Geschmacks: Den guten alten Zeiten nachzutrauern, ist meistens töricht. Nur beim Obst könnte man doch geneigt sein, wehmütig zu werden: Früher gab es zahllose Streuobstwiesen rund um Dresden. Sie wurden jedoch immer seltener bewirtschaftet, denn anderswo legte man Monokulturen an und setzte Pestizide und Düngemittel ein, um Obst wirtschaftlicher zu erzeugen. Die Folge: Von ursprünglich rund 2800 Apfelsorten sind heute zwar noch etwa 1000 in Deutschland vorhanden, im Supermarkt aber nur fünf bis sieben Sorten erhältlich.

Augustus Rex: Bedingt durch das besondere Mikroklima, gelten Dresden und das Umland schon seit langer Zeit als begünstigtes Obstanbaugebiet. Wie nicht anders zu erwarten, soll auch beim Obstanbau König August der Starke die Finger im Spiel gehabt haben. Bei jeder Hochzeit seien drei Obstbäume zu pflanzen, forderte sein Erlass. Je nach Quelle schrieb er nur einen oder zwei Bäume vor, oder er ordnete ausdrücklich an, die Bäume als Alleen zwischen den Ortschaften zu pflanzen. Aber gleichgültig, ob Streuobstwiese oder Obstbaumallee – Schöner von Herrnhut, Zuccalmaglios Renette, Gute Luise von Avranches, Köstliche von Charneu und Danziger Kantapfel gehören zu den fast vergessenen Sorten, die rund um Dresden noch wachsen. Quitten waren so verbreitet, dass sie als sächsische Orangen galten.

Pomologie ist der schöne lateinische Name für Obstbaukunde, und mit Hilfe von Pomologen fand Georg Schenk sogar als ausgestorben geltende Sorten wie den Böhmischen Rosenapfel. In seiner Obstbrennerei »Augustus Rex« werden in einem 200 Jahre alten Gewölbekeller im ehemaligen Weinberg von Klotzsche die feinen Früchte in flüssigen Zustand überführt. Seit 2001 produzieren er und sein Brennereiteam nicht nur edle Destillate, sondern unterstützen auch Obstbauern, versuchen, alte Bäume zu retten und kämpfen für »Obst-Biodiversität«. Zu sortenreinem Brand veredelt die »Erste Dresdner Spezialitätenbrennerei« alte Apfel-, Birnen-, Quitten- und Zwetschgensorten.

streuobst-dresden

 

Erste Dresdner Spezialitätenbrennerei, Klotzscher Hauptstraße 24, 01109 Dresden-Klotzsche, Mo–Fr 8–18 Uhr

http://www.augustus-rex.com

In der Sächsischen Vinothek an der Frauenkirche gibt es das Obst von den Dresdner Streuobstwiesen ebenfalls in seiner »vergeistigten« hochprozentigen Form. An der Frauenkirche 13 und Salzgasse 2, Mo–Do 12–18, Fr 12–19.30, Sa 11–19 Uhr

http://www.saechsische-vinothek.de

 

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Dieser Text stammt in leicht veränderter Form aus dem Band:

Gabriele Kalmbach, 111 Orte in Dresden, die man gesehen haben muss, Emons Verlag 2016

Bestellen bei der Buchhandlung Osiander:

https://www.osiander.de/details.cfm?isbn=9783897059092&pid=100214

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