AUSSTELLUNG IN PARIS: EVA GONZALÈS

Peintre et pastelliste: Man darf sich freuen, dass die Kunst von Eva Gonzalez (1847–1883) durch die Retrospektive »Parcours d’une artiste libre« im Petit Palais in Paris nun etwas bekannter werden dürfte. Obwohl in der Ausstellung (via Kommentare fast zu) großer Nachdruck darauf liegt, dass die im Alter von 36 Jahren jung verstorbene Malerin die einzige Schülerin von Edouard Manet war, will die Werkschau zugleich »Mademoiselle Eva« von solchen Zuschreibungen als Tochter, Schülerin, Ehefrau von … befreien und ihren Wert als eigenständige Künstlerin betonen.

Erschwerte Startbedingungen, verhinderte Karrieren: Die Malausbildung der jungen Frau begann 1866 im Atelier von Charles Chaplin in der Rue de Lisbonne, der ihr auch dazu riet, die großen Meister im Louvre zu kopieren, damals ein unverzichtbarer Teil einer soliden Ausbildung. Zahlreiche talentierte Schülerinnen, darunter Mary Cassatt, Louise Abbéma und Madeleine Lemaire, zahlten hier für Privatunterricht, denn Kunstakademien schlossen zu dieser Zeit Frauen vom Studium noch aus (die Pariser École des Beaux-Arts beispielsweise ließ sie ab 1897 zu). Der Einfluss dieses Malers von Boudoirszenen und Porträts junger Frauen zeigte sich in den ersten Jahren der Künstlerinnenlaufbahn von Eva Gonzalez in ihrer Farbpalette, mit silbrigem Grau, pudrigem Rosa und samtigem Blau.

Erfolge als freie Künstlerin: Im Jahr 1869 kam es zur Begegnung mit Edouard Manet. Der Maler, obwohl auch von ihrer spanischen Schönheit bezaubert, stellte sie in einem monumentalen Porträt explizit als Künstlerin vor der Staffelei dar. Das Gemälde wurde 1870 im offiziellen Pariser »Salon« ausgestellt, als auch Gonzalez dort debütierte. Wie früh ihre Arbeit anerkannt wurde, steht in keinem Verhältnis zum systematischen Vergessen nach ihrem tragischen frühen Tod im Kindsbett. Die Kritiker taten sie und andere Künstlerinnen über Jahrzehnte überheblich und ignorant als begabte Dilettantinnen und Malerinnen typischer Frauenthemen ab – heute zählt Eva Gonzalès mit Mary Cassatt, Berthe Morisot und Marie Bracquemont zu den vier bedeutendsten Malerinnen des Impressionismus. Bis zu beider Tod im Jahr 1883 blieben Manet und Gonzalès einander eng verbunden. Und auch nach der Heirat mit dem Maler und Grafiker Henri Guérard setzte sie ihre künstlerische Karriere fort, was keineswegs selbstverständlich war, wie etwa der Werdegang von Edma Morisot und Marie Bracquemont zeigt. Ihr Ehemann Henri und ihre Schwester Jeanne wurden zu bevorzugten Motiven von Eva Gonzalès, daneben fand sie auch bei Reisen in die Normandie zum eigenen Stil.

 

Eva Gonzalès. Parcours d’une artiste libre, Petit Palais, 5 avenue Dutuit (8e), Paris, bis zum 27. Januar 2027

Petit Palais Eva Gonzales