AUSSTELLUNG IN PARIS: COLETTE
Les Mondes de Colette: Schon als Schriftstellerin zählt Sidonie Gabrielle Colette (1873–1954) zu den faszinierenden Figuren der französischen Literatur im 20. Jahrhundert, ihr Werk ist so populär wie von der Kritik anerkannt und noch heute erstaunlich aktuell. Wie es der Titel der Ausstellung in der französischen Nationalbibliothek (BnF) ankündigt, zeigt die mit mehr als 350 Exponaten umfangreiche Schau jedoch, dass Colette sich in vielen weiteren Welten bewegte, nicht nur in der Sphäre des Schreibens. Als Schauspielerin und Pantomimin führt sie eine prekäre Existenz, steht in der Varieté-Revue als Tänzerin auf der Bühne, eröffnet 1932 einen Schönheitssalon mit eigener Kosmetikmarke in der Rue Miromesnil, fungiert als »Celebrity«-Markenbotschafterin für die Werbung von Lucky Strike, schreibt als Journalistin mehr als 1200 Artikel über Sport, Theater, Kino und »faits divers«.
Eine unabhängige Frau: Trotz der immer wieder erzählten Geschichte, ihr erster Ehemann habe Colette zum Schreiben eingesperrt, entwickelte sich die junge Frau zu einer freien, freimütigen und emanzipierten Autorin, die ihrer Zeit voraus war. Was damals als Libertinage galt oder zum Skandal geriet, lebte Colette (scheinbar) bedenkenlos: Sie zeigte den blanken Busen auf der Bühne, war dreimal verheiratet und hatte Beziehungen zu Frauen, darunter zu der Missy genannten Mathilde de Morny, mit der sie gemeinsam ein Haus in der Bretagne erwarb (und nach der Trennung behalten konnte). Sie schrieb über Sexualität und das Changieren zwischen den Geschlechtern, über Opiumhöhlen und Alkoholsucht, zeichnete Frauenfiguren, die sich den Konventionen der Zeit widersetzten. Ihre Kindheit in Saint-Sauveur-en-Puisaye wiederum prägte ihre große Liebe zur Natur und zu Tieren – das lässt sich in biografischen Artikeln und Büchern nachlesen und ist ebenfalls Gegenstand ihres Schreibens.
Sehenswert: Die Ausstellung in Paris ist diesen vielfältigen Facetten gewidmet und in fünf Themenbereiche gegliedert – Souvenirs sensibles, Le Monde, S’écrire, Le Temps und La Chair. Viel zu lesen gibt es, schließlich wird auch zur Lektüre der Bücher dieser außergewöhnlichen Schriftstellerin ermuntert, doch zahlreiche Fotografien, Zeichnungen und Gemälde illustrieren den Lebensweg, und mit bewegten Bildern und viel Audiomaterial spricht diese großartige Schau Besucherinnen und Besucher nicht nur vermittelt über Schrift an (online weiteres Material: https://www.bnf.fr/fr/colette-ressources-en-ligne).
Bibliothèque Nationale de France François Mitterrand: Les Mondes de Colette, 23. September 2025 – 18. Januar 2026