WEINGUT KUSTERER IN ESSLINGEN

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Der Esslinger Eimer: Die ehemals Freie Reichsstadt Esslingen im Neckartal blickt auf mehr als 1200 Jahre Geschichte zurück und blieb, anders als Stuttgart oder Heilbronn, im Zweiten Weltkrieg unzerstört. Die Fachwerk-Prachtbauten in der historischen Altstadt und die Burganlage (eigentlich Teil der Stadtbefestigung) werden mit viel Aufwand restauriert und in Schuss gehalten. Dass auch die Alte Kelter in einem guten Zustand ist, verdankt sich der Initiative der Winzerfamilie Kusterer. Sie restaurierte das mittelalterliche Bauwerk in der Beutau, die letzte erhaltene von einst über 40 Esslinger Keltern, und nutzt sie zur Präsentation ihrer Weine. Die Beutau mit ihren engen kopfsteingepflasterten Gassen und Fachwerkhäusern bildete einst das Viertel der Wengerter und Handwerker. Denn die Geschichte des Weinbaus – im 8. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt – reicht weit zurück in Esslingen, damit einer der ältesten Weinorte Württembergs. Und im Mittelalter waren die Esslinger das Maß der Dinge: Über Jahrhunderte galt der »Esslinger Eimer«, der knapp 300 Liter fasste, als amtliche württembergische Maßeinheit. Damals begründete die Reichsstadt ihren Wohlstand auf Wein, heute werden von den einst 500 Hektar nur noch um die 90 Hektar bewirtschaftet, der größte Teil in den Steillagen am Neckar.

Trauben im freien Fall: Auch die Trauben des Weinguts Kusterer gedeihen fast ausschließlich in den Terrassenweinbergen im Esslinger Schenkenberg nahe der gotischen Frauenkirche sowie in der kleinen Einzellage Esslinger Neckarhalde. Nicht nur von »Gault Millau« und »Feinschmecker«, auch von vielen langjährigen Stammkunden wird die exzellente Qualität der Kusterer-Weine hochgeschätzt. Seit 2012 die moderne Gravitationskelter in den Weinbergen oberhalb von Mettingen gebaut wurde, können sie sich auch auf schöne Sommerfeste mit Livemusik und andere Events dort freuen. Übrigens ist das Innovative an der neuen Kelter die Tatsache, dass die Trauben auf dem Dach des vierstöckigen, 14 Meter hohen Gebäudes aus Beton und Glas angeliefert werden: So verläuft der gesamte Prozess der Vinifizierung viel schonender, weil kein einziges Mal gepumpt werden muss.

Martiniwein: Beim Martinsumtrunk in der Gravitationskelter wird der »Esslinger Martiniwein®« vorgestellt – mit dem die Kusterers eine alte Tradition wieder aufgenommen haben, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Im landwirtschaftlichen Jahr leitet der Martinstag – der 11. November – den Winter ein. Die Weinlese ist beendet, für die Natur (teils auch für den Winzer) beginnt nun die winterliche Ruhezeit. Zum Martinstag – an dem auch die Abgabe des Zehnten fällig war – schenkte einst das Domkapitel, später die Stadt Esslingen alljährlich unentgeltlich den sogenannten »Martiniwein« an bedürftige Esslinger Bürger aus – ein wohltätiger Akt, der aber im 18. Jahrhundert eingestellt wurde. Diese Tradition hat das Weingut Kusterer wieder aufgegriffen: Ein Teil vom Erlös des Martiniweins, der noch bis Weihnachten erhältlich ist, wird gespendet.

Weingut Kusterer, Untere Beutau 44, 73728 Esslingen, Weinverkauf nach telefonischer Voranmeldung unter 0711 / 35 79 09

Gravitationskelter, Gayernweg 55, 73733 Esslingen, Tel. 0711 / 88 29 26 70, Verkauf & Vinothek April–Okt. Fr 16–19 Uhr

http://www.weingut-kusterer.de

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