WINZERINNEN IN FRANKREICH

Wein wird weiblich? Winzerinnen auf Erfolgskurs? Die Revue du Vin de France stellte Frankreichs 200 einflussreichste Weinpersönlichkeiten vor, darunter anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März 28 Frauen: von Philippine und Ariane de Rothschild aus altem Weinadel bis zu Laetizia Riedel aus der gleichnamigen Glasunternehmerfamilie, die Weinkritikerinnen Jeannie Cho Lee, Serena Sutcliffe und Jancis Robinson, die ihr Renommee eher in der anglophonen Welt erwarben, Politikerinnen, Pressefrauen, einige »Gattinnen« und mit Shu Okomito, Carole Bouquet und Angelina Jolie haben es auch eine Manga-Zeichnerin und zwei Schauspielerinnen mit eigenem Weinberg auf die Liste geschafft. Außer Carol Duval-Leroy und Margareth Henriquez als zwei Chefinnen von Champagner-Unternehmen sind mit Lalou Bize-Leroy aber nur eine Winzerin und mit Nadine Gublin eine freie Winemakerin vertreten. Eine ziemlich große Unverschämtheit, oder? Ich missgönne es keiner der genannten Frauen, als einflussreich auf dieser Liste genannt zu werden, aber bedaure doch sehr, dass es erstens nur 28 sind, zudem auf den hinteren Rängen der Liste, und zweitens der Anteil der Winzerinnen, Önologinnen und Weinhändlerinnen ein Trauerspiel ist und der Redaktion ein Armutszeugnis ausstellt.

Emanzipierte Weinwelt? Dieser Beitrag enthält mehr Fragezeichen als alle meine anderen Artikel bislang! An belastbare Zahlen ist nur schwer zu kommen, rund 38.000 Winzer soll es in Frankreich geben, anderen Quellen zufolge sind es 49.000 oder 27.000 oder 142.000. Beim INSEE, dem französischen Bundesamt für Statistik und Wirtschaftsstudien, habe ich nur regionale Zahlen gefunden, das »Comité National des Interprofessions des Vins à appellation d’origine et à indication géographique« spricht für das Jahr 2016 von 550.000 Arbeitsplätzen, die direkt mit Wein zu tun haben, das umfasst aber auch Handel und Vertrieb. Jeder fünfte landwirtschaftliche Betrieb baue (auch) Wein an, das seien insgesamt 85.000 Weingüter in Frankreich. Nach Geschlecht werden diese so unterschiedlichen Zahlen erst recht nicht aufgeschlüsselt, allerdings sind Weingüter, jedenfalls kleine und mittlere, ohnehin oft Familienbetriebe. Wie oft eine Winzerin die Hoheit im Weinberg und im Keller hat, ist also nur schwer quantitativ zu erfassen.

French Wine Women: Nicht falsch ist es jedoch, dass in der Männerdomäne Weinbau Frauen noch eine Minderheit bilden, auch wenn inzwischen an den Ausbildungsstätten der Frauenanteil enorm gewachsen ist. Wie in Deutschland (mit Vinissima) haben sich in Frankreich einige Winzerinnen zusammengeschlossen, zuerst im Bordelais, dann in weiteren Weinbaugebieten wie dem Burgund, dem Loire-Tal und im Elsass, zuletzt kamen 2015 die Champagner-Damen dazu. Im Dachverband »Femmes de Vin« sind neun regionale Winzerinnenvereine Frankreichs freundschaftlich verbunden, treffen sich zum professionellen Austausch unter den rund 250 Mitgliedern und organisieren gemeinsame Messestände, etwa auf der Prowein in Düsseldorf.

Aliénor du vin de Bordeaux (seit 1994): www.bordeaux-les-alienors.fr

Etoiles en Beaujolais (seit 1998): www.etoilesenbeaujolais.com

Femmes et Vins de Bourgogne (seit 2000): www.fevb.net

Femmes Vignes Rhône (seit 2004): www.femmesvignesrhone.com

Eléonores de Provence (seit 2008)

Vinifilles (seit 2009): www.vinifilles.fr

diVINes d’Alsace (seit 2011): www.divinesdalsace.com

SO Femme & Vin ( seit 2014) : www.sofemmeetvin.fr

Fa’bulleuses ( seit 2015)

Übrigens: Eigentlich wollte ich die drei Winzerinnen vorstellen, die ich im Juli im Médoc besucht habe – der Teil folgt.

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