PARIS: TRAM DER FRAUEN

Métrofeminin: Unter den mehr als 300 Metrostationen sind nicht mal zehn nach Frauen benannt, selbst wenn man Les Abbesses und Filles du Calvaire hinzurechnet. Und bei den drei Stationen Curie (Pierre und Marie), Barbès-Rochechouart (Marguerite de Rochechouart war eine Äbtissin des Benediktinerinnenklosters am Montmartre) und Chardon-Lagache (Amélie Lagache mit ihrem Ehemann Pierre-Alfred Chardon) müssen sich die Frauen den »Ruhm« mit einem Mann teilen. Nur die Stationen Louise Michel und Europe – Simone Veil gedenken einer einzigen Frau, letztere erweitert erst seit Mai 2018 diese doch SEHR kurze Liste. Von paritätischen Verhältnissen ist Paris noch weit entfernt (zum 8. März 2017 hatte das Ministère des Droits des Femmes, heute Sécretariat d’Etat, einen Metroplan der Künstlerin Sylvie Radelli ins Netz gestellt: Métroféminin. Dort hießen Stationen Louise Bourgeois, Pina Bausch, Hannah Arendt, Frida Kahlo oder Clara Zetkin). Doch Bürgermeisterin Anne Hidalgo ist daran gelegen, das Ungleichgewicht zu verringern, das ähnlich männerlastig auch für die Pariser Straßennamen gilt (fast 6000 insgesamt, davon inzwischen etwas mehr als 200 nach Frauen benannt. 1990 waren es beschämende 45).

Gendern fällt schwer: Seit einigen Jahren verkehrt rund um Paris unweit des Périphérique eine Straßenbahn, und zwischen Porte d’Ivry und Porte de la Chapelle sind auch einige Haltestellen nach Frauen benannt. Leicht war es wohl nicht, die RATP dazu zu bringen, diese Form des Sexismus zu korrigieren und für mehr Gleichberechtigung bei der Namensgebung zu sorgen – ein Jahr sollen die zähen Verhandlungen zwischen Stadt und Verkehrsbetrieben gedauert haben. Und mit nur neun Namen nur ein kleiner Schritt, die Leistung von Frauen mehr zu würdigen. Übrigens: Wer am Studentenwohnheim Delphine Seyrig und der gleichnamigen Haltestelle aussteigt, und auf dem Holzweg neben den Bahngleisen den Kanal überquert, kann einen Blick auf die Grands Moulin de Pantin werfen, einen mächtigen Industriebau aus den 1920er-Jahren, der zu Büros umgebaut wurde.

Maryse Bastié (1898–1952): Die französische Pilotin stellte als Flugpionierin Langstrecken-Weltrekorde auf, erwarb als erste Französin den Flugschein für Passagierflugzeuge, gründete eine eigene Flugschule, kämpfte für das Frauenwahlrecht und diente im Zweiten Weltkrieg als Mitglied der Luftwaffe unter Charles de Gaulle.

Séverine, Pseudonym von Caroline Rémy (1855–1929): Die französische Journalistin schrieb für die Zeitung Le Cri du Peuple und übernahm ab 1885 die Leitung des Blatts, war damit die erste Frau an der Spitze einer großen Tageszeitung.

Alexandra David-Néel (1868–1969): Die französische Forscherin und Reiseschriftstellerin bereiste Indien, Japan, Korea und China, durchstreifte die Wüste Gobi und besuchte vermutlich als erste Europäerin 1924 die verbotene Stadt Lhasa in Tibet.

Delphine Seyrig (1932–1990): Die französische Film- und Theaterschauspielerin erhielt zweimal den César. Bekannt wurde sie Anfang der 1960er-Jahre durch ihre Hauptrolle in »Letztes Jahr in Marienbad« von Alain Resnais, später war sie in Filmen von François Truffaut, Chantal Akerman und Marguerite Duras zu sehen. Als Feministin unterschrieb sie 1971 beim »Manifeste der 343«. Wie in Deutschland bekannten sich auch in Frankreich Frauen zur Straftat der Abtreibung, um gegen die geltende Gesetzeslage zu protestieren.

Adrienne Bolland (1895–1975): Die Pilotin überquerte 1921 als erste Frau im Alleinflug die Anden, als zweite den Ärmelkanal, kämpfte für das Frauenwahlrecht und engagierte sich während des Zweiten Weltkriegs in der Résistance.

Rosa Parks (1913–2005): Im Jahr 1955 weigerte sich die Afroamerikanerin in Montgomery (Alabama), ihren Sitzplatz im Bus für einen Weißen aufzugeben. Ihre Festnahme und Verurteilung zu einer Geldstrafe gilt als Beginn der Bürgerrechtsbewegung in den USA, da Martin Luther King daraufhin Proteste organisierte, sodass einige Zeit später die Rassentrennung in Bussen und Zügen aufhoben werden musste.

Marie de Miribel (1872–1959): Die Krankenschwester war die Gründerin der »Oeuvres de la Croix Saint-Simon«.

Ella Fitzgerald (1917–1996): Die amerikanische Jazzsängerin gilt als »First Lady of Swing« und »Queen of Jazz«. Nach einem märchenhaften Durchbruch bei einem Talentwettbewerb gelang ihr mit ihrer ausdrucksstarken, flexiblen Stimme eine steile Karriere. Bis heute setzt sie musikalisch Maßstäbe.

Colette Besson (1946–2005): Die französische Leichtathletin gewann 1968 bei den Olympischen Spielen in Mexiko die Goldmedaille auf der 400-Meter-Distanz.

Paris Grands Moulins de Pantin

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