PARIS: MITTAGESSEN IN DER SCHÖNSTEN STADT DER WELT

VON DR. CHRISTOPH FISCHER. Anders als erwartet: Manches ist einfacher als man denkt. Sogar in Paris. Wo man oft ausschließlich daran orientiert ist, dass vor jeder Sache möglichst »haute« stehen sollte. Und dabei den wahren Charakter dieser wunderschönen Stadt verkennt, in der die Haute Couture ebenso zuhause ist wie die Haute Cuisine – und andere Höhenunterschiede dieser Welt. Der etwas bemühte Einstieg in meine kleine Geschichte hat einen sehr subjektiven Hintergrund. Und soll erklären, warum sich ein Mensch sauerländischer Prägung und westfälischen Gemüts in einer Weltmetropole wohlfühlen kann, auch, wenn er nicht deutscher Bundeskanzler geworden ist. Aber dazu ein andermal mehr.

Wie allenthalben nach ausgedehnten Erkundungsgängen, Museumsbesuchen, Exkursionen, intensiven Gesprächen oder schlicht anstrengenden beruflichen Tätigkeiten, hat man in Paris Hunger. Sodass auf den Ort, den ich beschreiben will, mindestens so viele Pariserinnen und Pariser lossteuern wie Touristen, und wir erst nach einiger Wartezeit im Freien in ein wunderschönes Restaurant blicken können. Lüster an den hohen Decken, Wandmalereien, zumindest macht es den Eindruck, hohe Spiegelflächen, altes Mobiliar und eine wunderschöne Bahnhofsuhr, die so prominent angebracht ist, dass sie sofort alle Blicke auf sich zieht.

Mittagessen in Paris. Immer viel Betrieb, immer schwierige Platzsuche. Auch in der Rue du Faubourg Montmartre. Wo im Lokal mit Namen Bouillon Chartier dem Menschen, der Hunger hat, allerdings zielsicher geholfen wird. Aber so weit sind wir noch gar nicht. Lange Schlange vor der Tür. Das ist normal. Und macht auch nichts. Nicht nur, weil es gesund ist, gelassen zu bleiben, sondern auch, weil sich die Schlange stets und ständig reduziert. Sobald drinnen ein Tisch frei wird, hat draußen das Warten ein Ende. Vorteilhaft vor allem im Winter.

Ein freundlicher Mensch bringt uns an unseren Tisch, klein wie stets in Paris, zwei Stühle – und rundherum in aller Regel alles besetzt und ständig im Gespräch. Ein Blick auf die gereichte Karte – und dann kann es nicht schaden, sich schnell zu entscheiden. Wir nehmen das Menü, ein Pichet des roten Weines (Merlot), eine Karaffe frischen Wassers und einen Aperitif. So viel Zeit muss sein.

Kommt alles zügig auf den Tisch. Zunächst der Aperitif, dann das Entrée, danach Plat principal und schließlich das Dessert. Den offenen Wein konnte man gut trinken, selbst gehobenen Ansprüchen verzerrt es nicht die Gesichtsnerven. Die bedienenden Geister sind freundlich und lassen sich bei aller Hektik nicht aus der Ruhe bringen. Wenn noch irgendetwas benötigt wird, sie bringen es zügig vorbei. Keineswegs hektisch, immer bemüht. Noch einen Petit café zum Abschluss und danach die Rechnung.

Das Staunen kommt früh genug: 45 Euro für zwei Personen. Du fühlst dich wie auf einem anderen Stern, aber es ist eine Pariser Wirklichkeit unweit der Grands Boulevards. Hat der Mann sich verrechnet? Aber nein, er hat ja alles auf das weiße »Tischtuch« aus Papier geschrieben und richtig addiert. Stimmt alles. Natürlich geht es besser und teurer in Paris, auch viel besser und viel teurer, aber es ist und bleibt ein Erlebnis, in der Weltmetropole für eine überschaubare Summe in einem wunderschönen Lokal ein verträgliches Mittagessen zu sich genommen zu haben. Der Sauerländer fühlt sich wie in Neheim-Hüsten, Finnentrop oder Olpe. Auch in Paris. So weit weg ist das doch gar nicht.

Nur lachende Gesichter im Lokal. Und auch bei denen, die draußen warten. Ein Erlebnis der besonderen Art: Bouillon Chartier (7 rue du Faubourg Montmartre, www.bouillon-chartier.com).