KORSIKA: AUSFLUGSTIPP SENECA-TURM

Tour de Sénèque: Der halb verfallene Seneca-Turm erhebt sich auf einem Gipfel des Monte Rottu (564 m) in wilder Landschaft und bietet einen wunderbaren Blick auf die Küste Korsikas, bei klarer Sicht auch bis zu den italienischen Inseln Elba und Capraia. Der markante Felsen, auf dem sich der von den Genuesern erbaute Turm befindet, ist ein beliebtes Ziel für Wanderer.

Wegverlauf: Von Bastia geht es auf der D80 an der Ostküste des Cap Corse entlang bis Santa Severa. Dort biegt man auf die D180 Richtung Luri ab, durchquert den Ort und fährt weiter hinauf bis zum Col de Santa Lucia. Gleich nach der Kapelle linkerhand gibt es einen Parkplatz. Wir sind von dort dem gewundenen schmalen Sträßchen gefolgt. Viele fahren hier dieses Wegstück aber noch mit dem Auto bis zum ehemaligen Kloster San Nicolao hinauf, in dem heute vier Ferienwohnungen vermietet werden, und stellen es auf dem zweiten Parkplatz davor ab. Dort beginnt der eigentliche Wanderweg hinauf zum Seneca-Turm. Obwohl man den Turm von der Gîte aus in 20 Minuten erreicht, ist es keine Tour für Flipflops oder Sandalen.

Ein wasserloser, dornenreicher Felsblock: So charakterisiert Seneca die Insel, auf die er im Jahr 41 n. Chr. verbannt wurde. In seiner »Trostschrift« für seine Mutter Helvia versucht er zu vermitteln, dass er sich dennoch nicht unterkriegen lasse. Aber gefallen hat es dem römischen Philosophen und Schriftsteller auf dem Korsika der Antike nicht. »Was kann man sich so kahl vorstellen, so ganz und gar zerklüftet wie diese Felseninsel? Was, sieht man auf die Erträge, ist karger, was im Hinblick auf die Menschen wilder, was hinsichtlich der Landschaft selbst abstoßender, was, so wie das Wetter hier ist, ungesünder?« (Übersetzung von Gerhard Fink, 2006). Kaiser Claudius hatte ihn in die Verbannung geschickt, auf Betreiben seiner (dritten) Frau Messalina, die Seneca des Ehebruchs bezichtigte, möglicherweise unbegründet und nur, um eine potenzielle Rivalin auszuschalten. Nach sieben oder acht Jahren der Verbannung holte Agrippina, die vierte Ehefrau von Kaiser Claudius, den in Ungnade Gefallenen zurück und machte ihn zum Lehrer ihres Sohns und Thronanwärters, des späteren Kaisers Nero.

Korsika als römische Kolonie: Seneca hatte allerdings vermutlich in Aléria gelebt, der in römischer Zeit größten Stadt der Insel. Zur Blütezeit des wichtigen Flottenstützpunkts lebten rund 20.000 Menschen dort (heute noch ein Zehntel davon); ausgegrabene Reste des Forums, eines Amphitheaters und eines Tempels erinnern an diese Epoche Korsikas als römische Kolonie. Dem langen Wikipedia-Artikel zu »Korsika im Altertum« ist allerdings nicht zu entnehmen, ob die Insel tatsächlich so kahl war, wie von Seneca behauptet, oder von Wald bedeckt.

 

Wie unterschiedlich die Übersetzungen der Stelle ausfallen, zeigen zwei Varianten:

»Wo kann man etwas so Nacktes, wo etwas auf allen Seiten so schroff Abgerissenes finden, als dieses Felsen[nest]? wo etwas in Betracht der Produkte Dürftigeres, in Bezug auf die Menschen Wilderes, in Bezug auf die Lage selbst Schauerliches, in Bezug auf das Klima Unfreundlicheres?« (Übersetzung von Albert Forbiger, 1867)

»Wo kann man sonst ein Gelände finden, so nackt, ringsum so steil ansteigend wie dieses Felsgebilde? Was gäbe es Armseligers in bezug auf Lebenmittel? Was Unwirtlicheres für die Menschen? Was Unerfreulicheres in bezug auf das Landschaftsbild? Was Unregelmäßigeres in bezug auf das Klima?« (Übersetzung von Otto Apelt, 1993)

Korsika Cap Corse Seneca-Turm