AUSSTELLUNG IN DUISBURG: JAUME PLENSA
Kopfsache: Die Skulpturen des katalanischen Künstlers, international bekannt für seine eindrucksvollen Arbeiten im öffentlichen Raum, habe ich in Antibes (mit einem seiner berühmten Nomaden) und Bordeaux kennengelernt. Das Museum Küppersmühle in Duisburg präsentiert – schon seit Juni – eine umfassende Einzelausstellung mit über 50 kraftvollen poetischen Skulpturen und einer Auswahl an Papierarbeiten. Die Schau mit dem Titel »Invisibles« beginnt schon draußen vor der Backsteinfassade mit »Flora«, einem der für Plensa typischen überlebensgroßen weißen Frauenköpfe mit geschlossenen Augen. Gleich im Eingangsbereich schreitet man auf die vergleichsweise kleine »Christina« zu, Motiv für das Ausstellungsplakat. »The most important things in life are invisible«, sagt Jaume Plensa, und so sind seine Werke keine individualisierten Porträts, sondern zeigen seine Auseinandersetzung mit dem »Körper als Gefäß für die Seele, den Geist«. Der 1955 in Barcelona geborene Künstler arbeitet mit verschiedenen Materialien wie Marmor und Alabaster, sowie auch Bronze- und Eisenguss, Stahl und Kunststoff. Besonders spektakulär ist die monumentale Installation »Invisible Anna«, ein transparenter, rund sieben Meter Kopf aus Edelstahlgeflecht, der im dunklen Siloraum schwebt; später fällt nochmals von oben der Blick darauf, aus der Dauerausstellung am Übergang von neuem Museumsanbau zur historischen Industriemühle. Effektvoll ausgeleuchtet verdoppeln sich drei Arbeiten aus Drahtgeflecht (Invisibles) durch ihren Schattenwurf auf Wänden und Boden, verändern die übergroßen, in sich ruhend oder meditativ zurückgezogen wirkenden Figuren je nach Perspektive ihre Gestalt und ihren Ausdruck. Abhängig vom Blickwinkel verschieben sich die Proportionen, können plastische Formen flächig wirken – ein Effekt, den kein Foto zu vermitteln vermag. Also auf zur Ausstellung, um realiter die Ausstrahlung der dreidimensionalen Werke zu erleben!
Malerfürsten unter sich: Skulpturale Wirkung entfalten auch die gewendelten Treppenhäuser aus rotem Sichtbeton, die historischen Silos und die Backsteinarchitektur von Industriedenkmal Küppersmühle und neuem Erweiterungsbau. Die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron verwandelten den ehemaligen Getreidespeicher im Duisburger Innenhafen in einen modernen Kulturbau, der Architekturfans aus aller Welt anzieht. Auf rund 6100 Quadratmeter Ausstellungsfläche erlaubt die Sammlung Ströher einen Gang durch die deutsche (und vereinzelt europäische) Kunst nach 1945, mit Werken von Georg Baselitz, Anselm Kiefer, Markus Lüpertz, A.R.Penck, Gerhard Richter, Emil Schumacher und anderen. Im White Cube-Inneren kommen raumgreifende Arbeiten wie »Sonnen-Sinfonie« von Bernhard Schultze (1915–2005) oder die abstrakten Kompositionen von Adolf Fleischmann (1892–1968) bestens zur Geltung. Teils sind einzelnen Malern ganze Räume mit Werkgruppen gewidmet, Künstlerinnen sind leider fast nicht darunter.
Museum Küppersmühle, Duisburg, www.museum-kueppersmuehle.de, 26. Juni bis 1. November 2026


