PROVENCE: AUSFLUGSZIEL CHÂTEAU LA COSTE
Ein weitläufiges Weingut: Eingebettet in die sanft hügelige Landschaft der Provence, inmitten von Weinbergen und Olivenhainen, Zypressen und Pinienwald liegt das Château La Coste ein paar Kilometer nördlich von Aix-en-Provence. 2002 erwarb der irische Unternehmer Patrick McKillen das mehrere hundert Hektar große Areal der historischen Domaine (südlich des provenzalischen Dorfs Le Puy Sainte-Réparade) und entschied sich, dort nicht nur auf biodynamischen Weinbau zu setzen, sondern moderne Architektur, zeitgenössische Kunst und Gastlichkeit zu vereinen. Zum Weingut gehören neben dem Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert zwei silbrig glänzende Halbtonnen-Bauwerke, von dem französischen Architekten Jean Nouvel entworfene Weinkeller aus gewelltem Stahlblech, mit Abfüllanlage auf Erdniveau und 80 Edelstahltanks im tief in den Boden eingelassenen Kellergeschoss darunter. Das minimalistische Empfangsgebäude aus Sichtbeton und Glas wie die fünf riesigen, aufrechtstehenden Betonplatten, die die Einfahrt markieren, entwarf der japanische Architekt Tadao Ando, drei Galeriepavillons für temporäre Kunstausstellungen und Konzerte auf dem Gelände stammen von Renzo Piano, Richard Rogers und dem brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer. Hinzu kamen eine Weinboutique, ein Gartenlokal, Restaurants unterschiedlicher Preisklassen und zwei Hotels.
Parcours Art et Architecture: Zwei bis drei Stunden Zeit sollte man für den Spaziergang auf jeden Fall einplanen, um Kunst und Architektur im Freien auf sich wirken zu lassen. Ausgerüstet mit dem Infoheft samt Plan begegnet man den prominenten Namen der zeitgenössischen Kunstwelt, darunter Daniel Buren, Alexander Calder, Per Kirkeby, Sean Scully und anderen. Die nachhaltigsten Eindrücke hinterlassen die Arbeiten, die nicht wie einfach in die Landschaft gestellt wirken, sondern auf sie Bezug nehmen. So etwa gleich zu Beginn des Rundgangs die »Donegal« genannten Steinbrücken von Larry Neufeld wie auch »Ruyi Path« des chinesischen Künstlers Ai Weiwei: Die Pflastersteine für den geschwungen Weg stammen aus dem Hafen von Marseille, der über viele Jahrhunderte hinweg ein wichtiges Tor nach Europa war, sie stehen symbolisch für das Thema Flucht. Für den Steinkreis von Richard Long mit dem Titel »Circle of Riverstones« wiederum stammt das Material aus der nahen Durance. An einer Böschung ließ Richard Serra seine mehrere Meter hohen Cortenstahl-Wände »Aix« in den Hügel eingraben. Ein Vertreter der Land Art ist Andy Goldsworthy, der für seine Arbeiten vergängliche Naturmaterialien verwendet, für »Oak Room« 12.000 Eichenstöcke aus dem Burgund. Der häufig mit Kugeln aus Murano-Glas arbeitende Jean-Michel Othoniel schuf neben der kleinen Kapelle mit »La Grande Croix Rouge« ein rotes Kreuz, dessen Farbe das Rot des Weins aufnimmt wie sich auf die Transsubstantiation der katholischen Kirche bezieht, die Verwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi. Mehr noch als an der Kunst erfreut man sich an ihrem Zusammenspiel mit dem Naturerlebnis zwischen Olivenbäumen, Wein und mediterraner Vegetation. Als eine Hommage an die provenzalische Landschaft kann auch der Ausstellungspavillon von Richard Rogers verstanden werden: den weit über einen Abhang hinausragenden, an einen Container erinnernden Bau betritt man über eine Gangway. Die dem Eingang gegenüberliegende Glasfront wirkt wie ein weiteres Bild – das Motiv ist die umgebende Landschaft.
Künstlerinnen! Auf der Wasserfläche vor dem Empfangszentrum scheint »Crouching Spider«, eine jener riesenhaften metallenen Spinnen, die das Spätwerk der US-Amerikanerin Louise Bourgeois kennzeichnen, regelrecht zu schweben. Die französische Künstlerin Prune Nourry, die als Bildhauerin, aber auch mit einer Vielzahl an Medien arbeitet, hat mit »Mater Earth« eine monumentale Skulptur geschaffen – die Körperlandschaft einer liegenden schwangeren Frau symbolisiert Weiblichkeit und Mutterschaft, verweist auf den Ursprung des Menschen (und erinnert mich an die durch die Vagina begehbare Nana von Niki de Saint Phalle aus den 1960er Jahren). Von Annie Morris stammt »5M Stack«, eine scheinbar wackelig übereinander gestapelte, vertikale Skulptur aus kugelförmigen Gebilden in verschiedenen Farben. Wie leider so oft, sind Künstlerinnen hier aber in der Minderzahl. Wer ihnen besondere Aufmerksamkeit widmen will, trifft auf Arbeiten von Sophie Calle, Tracey Emin, Siobhán Hapaska, Jenny Holzer, Tia-Thuy Nguyen und Yoko Ono.
Renommierte Domaine: Durchaus bedeutend ist aber auch der Weinanbau für das Château La Coste. Oben bei der kleinen Kapelle am höchsten Punkt des Rundgangs, wurde der benachbarte Weinhang gerade mit einem Pferd zwischen den Rebzeilen gepflügt – eine bodenschonende, in der Biodynamie geschätzte Bewirtschaftung. Seit 2009 sind die rund 200 Hektar Rebfläche biozertifiziert, seit 2022 tragen sie das Demeter-Siegel. Zu den angebauten Rebsorten zählen Cabernet-Sauvignon, Chardonnay, Cinsault, Grenache, Syrah, und Sauvignon blanc – jährlich ausgebaut zu 700.000 Flaschen international anerkannter Rot-, Rosé- und Weißweine.
Château La Coste, 2750 Route de la Cride, 13610 Le Puy Sainte-Réparade, https://chateau-la-coste.com



