BRETONISCHE INSELN: BELLE-ÎLE
Sommergrüße von der Insel: Knapp 50 Minuten braucht die Fähre von Quiberon zur Belle-Île, wo sie Fußgänger, Autos und Radler in Le Palais auslädt. Ob es nun an der stressfreien Fahrt übers Meer oder am sofort eintretenden Inselfeeling liegt, jedenfalls schlendert man völlig entspannt durch den lebhaften Hafenort – auf einen Ankunftsschoppen in ein Café, erst zum Hotel oder gleich zum Radverleih. Über Hafen und Ort wacht die mächtige Citadelle Vauban, die gerade umfangreich renoviert wird und daher nicht zugänglich ist. Bei Flut prägen Segelboote, die unterhalb der Festung aus dem 16. und 17. Jahrhundert auf das Öffnen der Schleuse und einen Liegeplatz am inneren Hafenbecken warten, das Bild, abends die ausgehlustigen Inselgäste, die in Le Palais gute Restaurants, viele Bars und Cafés mit ungezwungener Stimmung ansteuern können.
Musik und mehr: Belle-Île ist mit 87 Quadratkilometern zwar die größte der elf bewohnten bretonischen Inseln, doch mit ihren knapp 20 Kilometern Länge und um 9 Kilometer Breite von überschaubarer Größe. Ein Tagesausflug reicht allerdings nicht, um die vielen schönen Ecken der Insel zu entdecken, mit zwei farbenfrohen Hafenorten, ein paar ruhigen Stränden, spektakulären Steilklippen, dem Leuchtturm Grand Phare und einem exponierten kleineren Leuchtfeuer an der Pointe des Poulains, der nördlichen Landspitze. Besser beraten ist, wer sich mit zwei, drei Tagen wenigstens ausreichend Zeit für einen Kurztrip nehmen kann. Wir waren am dritten Juniwochenende dort, bei perfekten sommerlichen Temperaturen und richtig Trubel am Samstag, denn ein lustiges Seifenkistenrennen und die Fête de la Musique belebten Le Palais tagsüber und abends. Vor der Bar mit dem schönen Namen »Apérothérapie« spielte ein Saxofonist auf, vor der netten Kneipe Le Ptit Clapot bretonische Liedermacher, am Hotel Corto Maltese sorgten Les Alligators mit Coverversionen von Popklassikern für beste Stimmung und am Hafenbecken ließen zwei DJs die Bässe wummern. Die erste Fête de la Musique fand am 21. Juni 1982 in Paris statt. Solokünstler und Bands, Amateurmusiker und Profis spielen dann im Freien und ohne Eintritt an einer Vielzahl an Orten. Das Fest wird seitdem landesweit in Frankreich begangen und ist im Laufe der Jahrzehnte auch in anderen Ländern immer populärer geworden.
Inselrunde auf dem Küstenwanderweg oder dem Radwegenetz: Rund um die Belle-Île führt der GR 340, in Frankreich 2022 zum schönsten Wanderweg gewählt, immer am Meer entlang. Die beste Wanderkarte ist die IGN-Karte im Maßstab 1:25.000 (0822 OT), die die Belle-Île sowie die Nachbarinseln Houat und Hoedic detailgenau abdeckt. Verfehlen lässt sich der rot-weiß markierte Weg an der Küste auch ohne Karte kaum, doch für kürzere Rundtouren ist man mit der Karte gut beraten, denn die 76 Kilometer lange Umrundung teilt man ja in Etappen auf. Radler versorgt das Office de Tourisme mit einer Karte der recht hügeligen Insel, die sich als große Hilfe erweist und sogar auf steilere Abfahrten und Steigungen hinweist. Zu den Anlaufstellen am Meer zählen neben der Pointe des Poulains der zweite Hafenort Sauzon mit seinen bunten Fassaden, zerklüftete Felsen an der Côte Sauvage und der Blick auf die Felseninselchen Aiguilles bei Port Coton, der Grand Phare und das Dorf Locmaria im Süden der Insel. Wir haben außerdem Halt gemacht am Plages Grands Sables und bei der Belle Fontaine, die 860.000 Liter Wasser fasst und einst der Versorgung von Schiffen diente. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erbaut, ist die unter Denkmalschutz stehende Zisterne eins von nur noch zwei Bauwerken dieser Art in Frankreich.
Bonne nuit und bon appétit: Die Belle-Île wird nicht nur ihrem Namen »schöne Insel« gerecht, sie lockt (in der Nebensaison) mit ihrem ganz eigenen Mix aus Savoir-vivre und Genuss, Natur und entspanntem (Frankreich)Feriengefühl. Das hübsche Clos Fleuri am Ortsrand von Le Palais bietet 18 komfortable Zimmer, alle ebenerdig und teils mit Terrasse. Ein paar E-Bikes können Gäste mieten, und eine kleine Sauna gibt es auch. Möglichst verpackungsfrei kommt das Frühstücksbuffet aus. Der Beitrag zur Müllverringerung ist wichtig für die Insel, schon auf der Fähre spricht ein kurzes Video Wasserverbrauch und Abfallentsorgung an. Übrigens: Gerade mal gut ein Dutzend Hotels gibt es auf der Insel mit 5600 Einwohnern, eine Reservierung ist also sehr zu empfehlen. Mittags und abends füllen sich die Plätze auf dem kleinen Platz vor La Parenthèse. Das Restaurant mitten in Le Palais zählt zweifellos zu den besten der Insel, die Gerichte sind international inspiriert, ob Ceviche von der Dorade, Bo Bun oder das vegetarische Couscous, und zivil bepreist, das Personal zugewandt und freundlich, die Atmosphäre herrlich unkompliziert.
de.belle-ile.com
www.citadellevauban.com
bellefontaine-belleile.fr
www.hotel-leclosfleuri.com



