PARIS: WASSER GRATIS

Durst unterwegs: Ob strammes Sightseeing-Programm oder zielloses Flanieren, Bummeln und Spazieren durch Parks und Passagen, über Avenuen und Boulevards – den ganzen Tag in Paris unterwegs zu sein macht ziemlich durstig. Dass an Einkehrmöglichkeiten in Cafés und Bistros kein Mangel in der französischen Metropole herrscht, ist nicht zu übersehen, doch viele Paris-Besucher kennen das »Brauhaus der vier Damen« nicht, das zwar kein Bier und auch sonst keinen Alkohol ausschenkt, aber das Wasser dafür gratis.

Fontaines Wallace: Ihren offiziellen Namen »Fontaines Wallace« verdanken sie dem Briten Sir Richard Wallace (1818–1890), der die Wasserspender im 19. Jahrhundert finanzierte. Der in London geborene Philantrop lebte in Paris und konnte es sich als Erbe eines großen Vermögens leisten, der Stadt 50 solcher Brunnen zu spendieren. Der erste wurde 1872 auf dem Boulevard de La Villette aufgestellt, und wie alle weiteren sollte er die Ärmsten der Bevölkerung mit kostenlosem frischem Wasser versorgen – in einer Zeit, als es noch nicht in jedem Haushalt fließendes Wasser gab (in Paris wurde Mitte des 19. Jahrhunderts unter Baron Haussmann mit dem Aufbau einer Trinkwasserversorgung und der Kanalisation für die Abwässer begonnen).

La Brasserie des quatre femmes: Die dunkelgrünen Trinkbrunnen waren ein durchschlagender Erfolg und hießen im Volksmund bald »Brasserie des quatre femmes«, weil auf dem Brunnensockel vier sich den Rücken zuwendende Frauenfiguren stehen. Als Karyatiden stützen sie mit ihren Köpfen und erhobenen Armen eine mit Delfinen verzierte Kuppel. Darunter tritt in der Mitte Wasser als dünner Strahl aus und versorgt die Pariser gratis mit Trinkwasser. Früher waren zusätzlich Trinkbecher mit einer Kette am Brunnen befestigt, die aber in den 1950er-Jahren aus Hygienegründen entfernt wurden. Übrigens: Wer das historische Modell erwerben möchte, kann dies bei der »Générale d’hydraulique et de mécanique« (GHM), die bis heute die Produktion fortführt. Allerdings bringen die vier Grazien aus Gusseisen, die Güte, Einfachheit, Wohltätigkeit und Nüchternheit darstellen, zusammen mit ihrem Sockel 610 kg auf die Waage. Außer dem bekannteren freistehenden, 2,70 m hohen Modell, das Wallace selbst skizziert, der Bildhauer Charles-Auguste Lebourg umgesetzt und eine Gießerei ausgeführt hatte, gibt es auch Wandausführungen und zierlichere Modelle mit Säulen.

Wasserträgerinnen: Seit dem Millenniumsjahr 2000 gibt es auch abstrakt-modern gestaltete Wasserspenderinnen, die Porteuses d’Eau, zum Beispiel bei Notre-Dame und der neuen Nationalbibliothek, sowie seit 2010 in einigen Parks und am Seine-Ufer sogar neue Brunnenhäuschen mit Sprudelwasser.

Eine Karte aller historischen und modernen Wasserspender in Paris findet man unter:

http://www.eaudeparis.fr/carte-des-fontaines/

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