SAINT-SULPICE: WERKE VON DELACROIX RESTAURIERT

Spurensuche: Seit Dan Browns Bestseller »Sakrileg« ist die Pariser Kirche Saint-Sulpice ein Muss für Fans und Esoteriker – sie soll die geheimnisvolle ›Rosenlinie‹ bergen. Ein Mord im Louvre, geheime Sekten, ein historisches Komplott und der heilige Gral: Mit dem ›ketzerischen‹ Krimi (unter dem Originaltitel »Da Vinci Code« auch verfilmt) verärgerte Bestseller-Autor Dan Brown die Kirche – und begeisterte weltweit Millionen Leser. In meinem »Reisetaschenbuch Paris« empfehle ich aber auch, im Inneren der Barockkirche den drei – allerdings sehr nachgedunkelten – Wandgemälden in der ersten südlichen Kapelle Aufmerksamkeit zu schenken. Sie stammen von Eugène Delacroix (1798–1863) – doch dass der Maler aufgrund seiner Farbpalette und Darstellung der Lichtverhältnisse als Wegbereiter des Impressionismus gilt, war hier bislang gewiss nicht zu erkennen.

Aufgefrischt: 1849 wurde der Maler mit den Gemälden für die Chapelle des Saint-Anges beauftragt, 1861 wird die Kapelle geweiht. Für die Westwand wählte Delacroix die »Vertreibung Heliodors aus dem Tempel« als Motiv, die Ostwand zeigt »Jakobs Kampf mit dem Engel«, auf dem ovalen Deckengemälde mit dem »Höllensturz« kämpft der Erzengel Michael mit Luzifer. Von der Stadt Paris in Zusammenarbeit mit Experten aus dem Louvre restauriert, sind die Werke nun ganz neu zu entdecken. Unter Leitung von Alina Moskalik-Detalle haben zehn auf Wandmalereien spezialisierte Restaurateure von Oktober 2015 bis November 2016 daran gearbeitet, die Kunstwerke zu reinigen und von den gealterten Oberflächenschichten zu befreien – eine extrem aufwendige Prozedur, bei der das Risiko besteht, mehr zu zerstören als zu erhalten.

Atelierhaus mitten in Paris: An der winzigen Place de Furstemberg in Saint-Germain verbrachte Eugène Delacroix die letzten sechs Jahre seines Lebens, weil sie näher zur Kirche Saint-Sulpice lag als sein vorheriges Atelier in der Rue Notre-Dame-de-Lorette. Der Maler war zu dieser Zeit schon schwer erkrankt und konnte keine weiten Wege mehr zurücklegen, wollte aber die Wandgemälde noch fertigstellen. Seine hübsche Wohnung lag zur Gartenseite hin, eine Treppe verbindet sie mit dem bescheidenen Studio. Das kleine Museum besitzt Zeichnungen, Studien und Erinnerungsstücke – die berühmten Monumentalgemälde wie »Die Freiheit führt das Volk an« befinden sich jedoch im Louvre und einige Spätwerke im Musée d’Orsay.

Saint-Sulpice, 2 rue Palatine, 75006 Paris, Métro: Saint-Sulpice, tgl. 7.30–19.30 Uhr

Musée Eugène Delacroix, 6 rue de Furstenberg, 75006 Paris, Métro: Saint-Germain-des-Prés oder Mabillon, Mi–Mo 9.30–17.30 Uhr, Eintritt 7 €, Kombiticket mit Louvre 15 €

http://www.musee-delacroix.fr

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