PARISER MÉTRO: ARTS ET MÉTIERS

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Métropolitain: Während der Belle Epoque, der drei Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg, war Frankreich ein finanzkräftiges Land. Der im Kaiserreich eingeleitete wirtschaftliche Aufschwung setzte sich fort, und der Aufstieg des Bürgertums schien sich in einer Epoche der Stabilität, des Wohlstands und der Sorglosigkeit zu vollziehen. Der Erste Weltkrieg setzte dieser »schönen Zeit« ein abruptes Ende. Dem »Fin de siècle« verdankt Paris jedoch den städtebaulichen Aufbruch in die Moderne ­und eine seiner größten Errungenschaften: Am 19. Juli 1900 wurde die erste Metrolinie eröffnet, die heutige Linie 1. Wie fast zeitgleich London, Wien und Budapest war Paris eine der ersten Metropolen, die für ihre Verkehrsprobleme die Lösung im Untergrund suchte. Und unbestreitbar ist die Métro das effektivste Verkehrsmittel in Paris – bis heute und seit mehr als 100 Jahren. Als Chefingenieur zeichnete Fulgence Bienvenüe (1852–1936) verantwortlich für den Tunnelbau und das gesamte unterirdische Reich der Métropolitain (nach ihm ist die Station am Montparnasse-Bahnhof benannt).

Keine 20.000 Meilen unter dem Meer: Noch zu Lebzeiten von Jules Verne (1828–1905) wurde die wohl außergewöhnlichste Metrostation gebaut: Am 19. Oktober 1904 nahm die Station Arts et Métiers im 3. Arrondissement mit der Eröffnung der Linie 3 ihren Betrieb auf. Erst später kam die Linie 11 hinzu, und wer aus ihr aussteigt, vielleicht, um oberirdisch das Wissenschafts- und Technik-Museum Arts et Métiers zu besuchen, wird meinen, in der Nautilus aus Jules Vernes Romanen gelandet zu sein. Denn die Wände sind ganz mit Kupfer verkleidet, Bullaugen wie im Innern eines U-Boots und riesige Zahnräder, die aus der Decke ragen, werden auch Steampunk-Fans begeistern.

Imaginäre Welten: Hat Jules Verne hier eine Vision in die Tat umsetzen können? Keineswegs, so sah die Métro-Station zu seinen Lebzeiten noch nicht aus! Der Retro-Look wurde 1994 realisiert, zum 200. Jahrestag des Conservatoire des Arts et Métiers, und geht auf die Idee und die Entwürfe des belgischen Comic-Zeichners François Schuiten (geb. 1956) zurück. Der Spross einer Architektenfamilie wurde mit seiner Comic-Serie »Cité obscures« bekannt, 1983 von Schuiten und seinem Texter Benoit Peeters mit dem Band »Die Mauern von Samaris« begonnen. Seither wurden »Die geheimnisvollen Städte« in rund ein Dutzend Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. Schuiten erschuf darin eine fantastische Welt, die gleichzeitig nostalgisch und futuristisch anmutet, Zukunft und Vergangenheit zugleich ist mit geheimnisvollen Orten in der manierierten Ästhetik des Fin de siècle und Betonstädten babylonischen Ausmaßes.

Die Ausstellung »Machines à dessiner« über das Werk von Schuiten und Peeters ist noch bis zum 26. März im Musée des Arts et Métiers in Paris zu sehen. Einfach bomforzionös!

http://www.arts-et-metiers.net/musee/machines-dessiner

 

 

 

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