NOIRMOUTIER FÜR FOODIES

Knollen-Know-how: Auf Noirmoutier, der Insel der niedrigen weißen Häuser und blauen Fensterläden, der Stockrosen und Hortensien gibt es neben Badeorten und Häfen, Sanddünen und Salzfeldern auch breite Streifen sorgfältig gepflegten und bewässerten Ackerlands, darunter auffallend viele Kartoffelfelder. Denn neben Fleur de Sel, Austern, Muscheln und der Steinbutt-Aquakultur gehört »Bonnotte« zu den Spezialitäten der Insel. Nicht nur Spitzenköche schätzen diese Frühkartoffel, die im Februar gesetzt und 90 Tage später, Anfang Mai, geerntet wird. Dass der Sandboden mit Seetang und Algen gedüngt wird, soll wie die salzige Luft hier am Atlantik zum unverwechselbar feinen, samtig-cremigem Geschmack der Kartoffeln beitragen. Als »grenaille«, als nur kirschgroße Miniknollen geerntet, schmecken sie am besten ungeschält in Butter gebraten. Die Bonnotte wird ausschließlich auf der Insel Noirmoutier angebaut und nur in einer sehr kleinen Menge (gerade mal 1 Prozent der 10.000 Tonnen Kartoffeln, die jährlich von etwa 40 Kartoffelbauern auf der Insel geerntet werden). Erst seit Mitte der 1990er-Jahre gibt es die Sorte wieder, die Kosten für die Produktion waren den Landwirten schlichtweg zu hoch, weil die zarten Knollen von Hand gepflückt werden müssen und auch sonst ziemlich empfindlich sind. Aufgrund der begrenzten Anbaufläche auf der Atlantikinsel und der geringen Erntemenge gilt sie als teuerste Kartoffel der Welt: Die wenigen Knollen werden auf Auktionen in Paris zu absoluten Höchstpreisen versteigert – die Spitzengastronomie lässt grüßen. Zur Exklusivität der kleinen Sorte trägt auch bei, dass es sie traditionell nur 14 Tage lang zu kaufen gibt, und zwar vom 8. bis zum 20. Mai. Jetzt im Juni gab es auf dem Wochenmarkt vor allem die »Sirtema«, eine weitere Frühkartoffel, und die »Lady Crist’l«.

www.lanoirmoutier.com/la-primeur/les-varietes/

Wein aus der Vendée: Der kleine Weinladen in der Fußgängerzone von Noirmoutier-en-l’Ile wirkt gleich sympathisch, denn der Inhaber hat alle Flaschen im Schaufenster mit ganz persönlichen Empfehlungen beschriftet. Wer sich im Ferienhaus selbst bekocht, wird in der Cave de l’Ile zudem beim Weinkauf zum Essen gut beraten. Erstaunlich: Auf dem Weinfass vor dem Geschäft steht sogar heimischer Wein. Wer würde die Atlantikinsel Noirmoutier oder überhaupt die Vendée an der Westküste Frankreichs schon mit Wein in Verbindung bringen? Doch tatsächlich: Der Weißwein mit dem hübschen Etikett wird auf der Insel an-, wenn auch nicht ausgebaut. Uns jedenfalls hat der Inselwein neugierig auf die lokalen Tropfen gemacht.

Gleich abends haben wir im Restaurant L’envol einen Rosé aus Mareuil in der Vendée getrunken. Beides war hervorragend – der Wein und das Essen im Lokal von Cécile und Cédric Fouasson. Die beiden günstigen Menüs sind gleichermaßen attraktiv, mit Vorspeisen aus frischen, saisonalen Zutaten, als Hauptgericht perfekt zubereiteter Fisch (Dorade mit Süßkartoffelpüree, Seehecht mit Dillsauce) oder wahlweise Fleisch und leckere Desserts (darunter eine sehr gehaltvolle Schokoladen-Karamell-Tartelette).

La vie a du goût: Nach diesem Motto führt das Feinkostgeschäft neben Käse und Konfitüren, Schinken und vielen anderen Leckereien auch eine ganz ansehnliche Auswahl an Weinen aus der Vendée. Die etwas versteckt hinter dem Schloss von Noirmoutier gelegene Epicerie du Château gehört Corinne Bouhier-Scanvic und Christian Verschraegen, und man findet bei ihnen neben regionalen Produkten auch Pata Negra aus Spanien, Sardinenkonserven aus der Bretagne, italienische Pasta, französische Schokolade oder schwarzen Reis aus Thailand. Als besondere Spezialität bietet die Epicerie du Château selbst eingedoste Fisch-Rillettes, Foie de lotte (Leber vom Seeteufel als Pastete) und Pâté an. Der klassische französische Brotaufstrich Rillette wird üblicherweise aus Enten-, Gänse- oder Schweinefleisch zubereitet, für die »Rillettes de Poisson« dagegen sind Thunfisch, Sardinen oder Lachs die Grundzutat. Diese fischige Variante ist auf Noirmoutier als Snack zum Apéro allgegenwärtig – mit getoastetem Baguette und Cornichons ausgesprochen köstlich. Zum Beispiel im Café Saint-Louis, der kleinen Tapasbar mit Blick auf den Hafen. Bei Dave Brubeck und anderer netter Beschallung gibt’s hier Austern, diverse Sorten Fisch-Rillettes, Rindertatar und Cocktails…

Cave de l’Ile, 19, Grande Rue, 85330 Noirmoutier-en-l’Ile, Tel. 06 60 47 02 22

L’envol, 13, rue du Vieil Hôpital, 85330 Noirmoutier-en-l’Ile, Tel. 02 51 35 85 29, Mi–So 12–14, 19–21 Uhr

Epicerie du Château, 1, rue du Grand Four, Noirmoutier-en-l’Ile, www.lepicerieduchateau.fr

Café Saint-Louis, 14bis, place Saint-Louis, Noirmoutier-en-l’Ile, Tel. 02 28 10 03 79, Di–So 10–1.30 Uhr

»Fiefs Vendéens«: So heißt die Weinbauregion Vendée, die seit 2011 mit einer AOC-Herkunftsbezeichnung geschützt ist und etwa 412 Hektar Weinberge umfasst. In Deutschland noch wenig bekannt, werden hier einige der originellsten Weine Frankreichs erzeugt, denn das Klima ist vom Atlantik und einer hohen Anzahl an Sonnenstunden geprägt, zudem gibt es außergewöhnliche Terroirs und teils seltene Rebsorten wie Négrette und Grolleau gris. In dem Gebiet zwischen Nantes und La Rochelle verteilen sich die Rebflächen der Appellation auf fünf Bereiche – in und um Mareuil, Brem, Vix, Pissotte und Chantonnay produzieren insgesamt 18 Winzer vorwiegend Rosé. Ganz ausgezeichnet fanden wir den in der Epicerie du Château erworbenen Rosé »O« (wie »original«) der Domaine des Granges. Das Weingut wird von Christian und Delphine Nobiron in Olonne-sur-Mer bewirtschaftet und gehört zur Appellation Brem.

Das Weingut Mourat in Mareuil-sur-Lay (von Noirmoutier aus gesehen »auf dem Kontinent« gelegen) werden wir uns auch merken: Neben dem von uns probierten Rosé aus der »Collection«, ein Cuvée aus Pinot Noir, Cabernet Franc, Négrette und Gamay Noir, produziert Jéremie Mourat weitere interessante und höchst unterschiedliche Weiß- und Rotweine sowie einen Rosé aus der seltenen Traube »Grolleau gris«. Das mit immerhin 122 Hektar Rebfläche recht große Weingut baut ansonsten vor allem Pinot noir, Cabernet franc und Sauvignon sowie Négrette für die Rotweine, Chardonnay und Chenin blanc für die Weißweine an. Besonderer Tipp: Neben Verkostungen bietet das Weingut auch Tagesausflüge mit dem Rad oder Pferd an.

Mourat, Route de La Roche sur Yon, 85320 Mareuil-sur-Lay-Dissais, Tel. 02 51 97 36 48, http://vignobles-mourat.fr

Domaine des Granges, www.domainedesgranges.fr

http://www.fiefsvendeens.fr

Kekse und mehr: Wer ohne Fleur de Sel und Meersalzvorräte von der Insel wieder abreist, ist selber schuld. Und wer Süßes schätzt, sollte Noirmoutier auch nicht ohne einen Stopp an der Biscuiterie Les Petits Cagniotes wieder verlassen. Ganz ohne Konservierungsmittel, Farbstoffe oder sonstige künstliche Zusätze backen Pierre und Géraldine Lerat Kekse in vielen Varianten – als Sablés, Palets, Cookies und Croquants, mit Vanille, Schokolade, Karamell oder Lebkuchengewürzen und sogar mit Fruchtpürée: Sablé Abricot-Amande mit Aprikose und Mandeln, Sablé Framboise-Pistache mit Himbeeren und Pistazien, Sablé Pina Colada mit Ananas, Sablé Citron mit Zitrone. Außerdem fertigen sie weißen Nugat und Karamellbonbons, ganze Tafeln »Fudge« und als Spezialität des Hauses Karamellcreme mit Fleur de Sel, Orange oder Schokolade im Glas – als Brotaufstrich, zu Crêpes, Waffeln oder Eis. Die Inhaber probieren immer wieder neue Ideen aus, und weil ich Süßes nicht so mag, reizen mich die Sablés mit Käse und Muskat, Paprika, Schnittlauch oder mit Knoblauch und Petersilie, gedacht als kleine Knabbereien zum Wein.

Les Petits Cagniotes, 2, rue des Marouettes, 85330 Noirmoutier-en-l’Ile, www.lespetitscagniotes.com

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