FRANZÖSISCHE APRIKOSEN

Einkochen

Aprikosenkonfitüre koche ich immer aus französischen Aprikosen: Weniger, weil ich da bestimmte Sorten favorisieren würde oder weil ich deutsche Aprikosen nicht schätze, sondern weil ich auf der Rückfahrt aus der Ardèche – zumindest wenn ich zur Erntezeit im Juni dort war – immer aus einer Kooperative in Beauchastel ein paar Stiegen überreife Früchte mit nach Hause genommen und am Tag nach der Rückreise mit wenig Zucker eingekocht habe. Der Geschmack war jedes Mal einfach sensationell – und wenn Beschenkte oder Gäste sich lobend über die »beste jemals probierte« Aprikosenkonfitüre äußerten, dann stimmte dies unbedingt, aber weniger aufgrund meiner Marmeladenkünste, sondern vor allem wegen der Qualität der Früchte.

Mit knapp 178.000 Tonnen pro Jahr (2014) gehört Frankreich zu den größten Aprikosen-Produzenten Europas: Dabei bilden drei südliche Regionen mit 12.800 Hektar Anbaufläche quasi den Obstgarten Frankreichs: aus dem Languedoc-Roussillon kommen 33 % der nationalen Produktion, Rhône-Alpes steuert 56 % und Provence-Alpes-Côtes d’Azur 11 % bei (nun sind ja seit 2016 die Regionen neu gegliedert, so dass auch solche Statistiken neu zugeordnet werden müssen).

Jedenfalls gibt es ganz unterschiedliche Aprikosensorten in Frankreich, aber ich kann keinen speziellen Tipp geben, weil ich bislang gar nicht darauf geachtet oder speziell danach gefragt habe. Vermutlich habe ich immer die ziemlich große Sorte Bergeron mitgebracht, denn sie hat den größten Anteil an der Produktion Frankreichs und ist besonders im Rhône-Tal verbreitet. Anderseits wird sie erst später im Juli reif, vielleicht waren es doch die frühen Sorten Early Brush oder Lambertin Nr. 1? Daneben gibt es weitere Sorten wie Orangered, Goldrich oder Jumbocof aus dem Languedoc-Roussillon sowie Rouge du Roussillon aus den östlichen Pyrenäen und Orange de Provence aus den Départements Drôme und Vaucluse.

Weil ich auch Schloss und Gärten von Versailles kenne, weiß ich, dass schon Jean-Baptiste de La Quintinie Ende des 17. Jahrhunderts dort Aprikosen-Bäume zog, damals noch exotische Raritäten, mit denen ein König sich schmücken konnte. Nicht im geometrisch gezirkelten Schlosspark natürlich, sondern im gesondert angelegten »Potager«, im Gemüse- und Obstgarten, für den der Hofgärtner zuständig war. Mit dem königlichen Küchengarten legte der Gärtner des Sonnenkönigs Ludwig XIV. einen der außerordentlichsten Gemüsegärten Europas an. Neben heimischen Gewächsen wie Erbsen, Salat, Stangenbohnen, Gewürzkräutern und Spalierobst pflanzte Jean-Baptiste de la Quintinie exotische Pflanzen wie Feigen; seinen Nachfolgern gelang sogar der Anbau von Kaffee und Ananas.

Übrigens: Unterwegs auf Recherche-, Foto- und Entdeckungsstreifzügen im Stuttgarter Umland habe ich mir kaltgepresstes Bio-Aprikosenkernöl aus der Ölmühle Ditzingen gekauft. Allgemein wird das hochwertige Öl vorwiegend für die Hautpflege empfohlen, es kann aber auch für Salatdressings verwendet werden – das probiere ich demnächst aus!

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