FRANKREICH AUF DER CMT

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Frankreichs Süden: Am großen Messestand Frankreichs in Halle 4 kam ich mit den eigens aus Mende und vom Mont Lozère angereisten Pressefrauen von Lozère Tourisme gleich ins Schwärmen über die raue Schönheit von Causses und Cevennen – eine einsame, dünn besiedelte Region mit steppenartigen, weiten Hochebenen und grünen, bewaldeten Hügelketten, die den Übergang vom Zentralmassiv zum Midi bilden. Eine tiefe, spektakuläre Schlucht hat der Tarn in die Karstlandschaft geschnitten: Aktivurlauber lieben die Paddeltouren mit atemberaubendem Blick auf die steilen Felswände in den Gorges du Tarn, Outdoor-Fans und Adrenalin-Freaks brechen je nach Fitness oder Lust und Laune auch zu Wander- und Radtouren auf oder zu Gleitschirmflügen, Höhlentouren und Bungee-Sprüngen. Mit dem regionalen Naturpark »Grand Causses« (http://www.parc-grand-causses.fr) und dem Nationalpark Cevennen (http://www.cevennes-parcnational.fr) stehen weite Teile dieses »wilden Süden Frankreichs« unter Naturschutz. Weil man hier versucht, Landschafts- und Tierschutz, Traditionspflege und Tourismus behutsam unter einen Hut zu bringen, wünsche ich der Region vorbehaltlos (ein paar) mehr Reisende (www.lozere-tourisme.com). Während anderswo die schiere Menge an Touristen ganze Küsten verschandelt, bringt hier jeder zusätzliche Gast vielleicht ein weiteres restauriertes Gehöft mit Chambres d’hôte auf den Weg, sorgt für die Nachfrage nach hübschen Lokalen mit heimischer Küche und erhöht den Absatz von Käseproduzenten, Bauern und Markthändlern.

Frankreichs Norden: Auf der jährlichen Pressekonferenz von Atout France während der CMT stand diesmal Le Havre im Mittelpunkt: Vom 27. Mai bis zum 5. November 2017 feiert die Stadt am Ärmelkanal ihr 500-jähriges Jubiläum und zugleich auch die Wiederauferstehung nach dem Zweiten Weltkrieg – durch Bombardements lag das Stadtzentrum in Trümmern. Le Havre war mit 80 % in Schutt und Asche gefallenen Gebäuden die am meisten in Mitleidenschaft gezogene Stadt Frankreichs – und musste sich in den 1950er-Jahren komplett neu erfinden. An der Entwicklung des Stadtbilds war Auguste Perret (1874–1954), der »Meister des Betonbaus«, maßgeblich beteiligt. Als bislang einziges Beispiel der Nachkriegsstadtplanung in Europa steht die Innenstadt von Le Havre seit 2005 auf der Welterbe-Liste der Unesco. Fünf Monate lang wird nun im Sommer 2017 während des großen Kulturspektakels »Un été au Havre« die Hafenstadt neu zu entdecken sein: bei maritimen Events wie der Transatlantikregatta, Festen und großen Sonderausstellungen, mit vielen Gastkünstlern und Installationen.

5 x Le Havre kennenlernen:

Die Stadtbibliothek im Petit Volcan: Ohnehin erfreulich, wenn eine Stadt ihrer öffentlichen Büchersammlung einen Starauftritt gönnt! Wie das »Le Volcan« genannte Kulturzentrum stammt auch der kleine, zur Mediathek umgebaute Vulkan gleich nebenan von dem brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer. Übrigens: Mit der Universitätsbibliothek gibt’s in Le Havre noch mehr moderne (Bücher)Architektur.

Die Kirche Saint-Joseph: 12.700 Glasfenster leuchten im über 100 Meter hohen Turm der Betonkirche um die Wette – und bei jedem Lichteinfall anders.

Das Musée d’Art Moderne André Malraux: Das Museum für moderne Kunst besitzt die zweitgrößte Sammlung impressionistischer Werke in Frankreich. http://www.muma-lehavre.fr

Kunst zur 500-Jahr-Feier: Außer den von dem Künstler Karel Martens farbig gestalteten »Cabanes de la Plage«, die normalerweise strahlend-weißen, typisch französischen Strandhütten, und den »Caténaires« von Vincent Ganivet – zwei riesige Bögen aus Übersee-Containern im Hafen – wird es noch viel mehr sehenswerte Kunstwerke und Installationen im Stadtraum geben. Der französische Künstler Vincent Ganivet baute bislang seine waghalsigen Betonbögen aus einfachen Hohlbausteinen (www.vincentganivet.fr). Schon die wirkten in seinen Ausstellungen eher fragil als dauerhaft…

Docks Vauban: Die Speicherhäuser aus dem 19. Jahrhundert, in denen einst Kaffee und Baumwolle lagerte, wurden zum Einkaufszentrum umgebaut. http://www.docks-vauban.com

Meine ganz persönlicher Favorit: die Bains des Docks! Als bekennender Schwimmbad-Fan kann ich nur sagen: das von Jean Nouvel entworfene moderne Bad sieht auf den Fotos traumhaft einladend aus. Eine keineswegs vollständige Liste! Mehr auf der Website, auch zu Eröffnungs- und Schlussfeier: http://www.uneteauhavre2017.fr

CMT, 14–22. Januar 2017, täglich 10–18 Uhr, Eintritt 14 €, ermäßigt 11 €

http://www.messe-stuttgart.de/cmt

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