FOODTRENDS: ESSEN AUS DER DOSE

Beim ersten Mal war ich noch peinlich berührt vom neuen »Foodtrend«. Oder ist es gar keiner, sondern nur eine besonders geschäftstüchtige oder clevere Variante, auf die junge »Fastfood-Generation« zu reagieren? In Paris ist alles möglich, man lebt dort davon, die Tradition mit vielen Worten hochzuhalten und sich ansonsten geschmeidig auf die (zahllosen, ökonomisch wichtigen, aber ungeliebten) Touristen einzustellen.

Was war passiert? Ich hatte die Sardinen zwar nicht als Vorspeise bestellt, sondern die hausgemachte Pâté, aber ich war doch befremdet, als in einem als »branché«, also als angesagt geltenden Lokal am Nebentisch mittags für zwei Personen einfach eine Dose auf den Tisch gestellt wurde. Dazu gab es zwei Gabeln. Ich war irritiert, die Mittagsgäste am Nachbartisch störte das »Dosenfutter« offensichtlich nicht, sie teilten sich einträchtig und ins Gespräch vertieft die Fischkonserve. War ich auf dem falschen Dampfer, als ich beschloss, das eigentlich rundum nette Pariser »Neo-Bistrot« nicht in meinem Reiseführer zu empfehlen?

Anschließend kam ich in Bordeaux ins Grübeln: Dort gab es in meinem Lieblingscafé die Bordelaiser Spezialität »Lou Gascoun« auf dem Holzbrett zum Apéro – ebenfalls aus der Dose. Kurz darauf, erneut in Paris, habe ich ein wirklich hübsches Lokal in der Rue du Roi de Sicile entdeckt – die kleine Tasca »Comme à Lisbonne«. Dort gibt es nicht nur Pastéis de Nata, süße Törtchen, wie sie in Portugal beliebt sind, sondern auch: Konserven. Das Minilokal im Marais hat schon 2013 eröffnet, die wenigen Tischchen sind immer besetzt und wer mag, bestellt dort Anchovis, Tintenfisch, Thunfisch oder Sardinen, die zuvor in der Conserveira de Lisboa ins Döschen gepackt wurden.

Offensichtlich sind Dosenbistros sehr hip (und ich oldschool), denn auch in Lissabon und London servieren das Sol e Pesca und Tincan den Fisch aus der Konserve – und Comme à Lisbonne hat längst in der Rue de Mogador im 9. Arrondissement ein zweites Lokal eröffnet. Also gebe ich dem oben erwähnten Pariser Café-Bistrot eine zweite Chance …

Comme à Lisbonne, 37, rue du Roi de Sicile, 4. Arrondissement, Métro: Saint-Paul oder Hôtel de Ville, Di–So 12–18.30 Uhr, Fr und Sa bis 22 Uhr

http://www.commealisbonne.com

http://www.solepesca.com

http://www.tincanlondon.com

Die abgebildeten Sardinendosen kommen aus der Conserverie La Belle-Iloise. Der 1932 gegründete Traditionsbetrieb verarbeitet den frischen Fisch in der Bretagne, unweit von Quiberon. Seit drei Generationen ist dort die Familie Hilliet mit ihrer Conserverie darauf spezialisiert, Sardinen, Makrelen und Thunfisch in Öl einzulegen, teils mit Gewürzen, Kräutern, Zitrone oder Wein verfeinert. Ausgesprochen hübsche Dosen machen die Spezialitäten in jedem (französischen) Supermarktregal zum Blickfang.

http://www.labelleiloise.fr

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