DIE FREIHEITSSTATUEN IN PARIS

Die Freiheit grüßt New York: Was macht denn »Lady Liberty« in Paris? Die Freiheitsstatue an der westlichen Spitze der Ile aux Cygnes ist eine verkleinerte Version der New Yorker Figur, jedoch nicht – wie teils fälschlicherweise angenommen – das Modell für die größere Schwester in den USA, sondern ein Geschenk in Amerika lebender Franzosen an ihre Heimat im Jahr 1889. Zunächst blickte die 11,50 Meter hohe Replik aus Bronze, ein Abguss vom Originalmodell, von der schmalen Seine-Insel Richtung Eiffelturm, zur Weltausstellung 1937 wurde sie gedreht und schaut seither Richtung New York, während ihr berühmtes Pendant von New York Richtung Frankreich blickt.

Lady Liberty: Die Idee für die Kolossalstatue stammte von einem französischen Politiker; mit der Ausführung der Skulptur wurde Frédéric-Auguste Bartholdi (1834–1904) beauftragt, finanziert werden sollte das Projekt durch private Spenden. Für die Verkörperung der »Liberté« dient dem Künstler der Koloss von Rhodos als Vorbild. Die 46 m hohe Freiheitsstatue ist nicht nur sein berühmtestes Werk, das gigantische Monument zählt auch zu den bemerkenswerten technischen Leistungen des 19. Jahrhunderts. Und: Nicht nur der Entwurf stammt aus Frankreich, das stolze Wahrzeichen der Amerikaner wurde komplett in Pariser Werkstätten errichtet.

Die Fackel in der Hand: Zunächst schuf Bartholdi unterschiedlich große Gipsmodelle, ab 1875 begann der Bau, mit ungeheurem technischem Aufwand. Aus dieser Zeit gibt es Stiche, die das gigantische Monument mit Baugerüst über der Rue de Chazelles aufragend zeigen. Dort wurde sie in den Ateliers »Gaget, Gauthier et Cie« aus Kupferplatten gebaut. Der Ingenieur Gauthier und der Architekt Gaget beschäftigen mehr als 300 Arbeiter, sie haben auch schon die Säule auf dem Vendôme-Platz restauriert. Während der Ingenieur Maurice Koechlin, leitender Ingenieur im Büro von Gustave Eiffel und wie Bartholdi Elsässer, die tragende Unterkonstruktion aus Eisen für die tonnenschwere Dame entwickelt, sind sie für den Rest zuständig. Die einzelnen Kupferplatten werden, von außen unsichtbar, auf dem Eisengerüst befestigt – was Jahre dauert. Länger als geplant, denn eigentlich soll die Statue zum 100. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit im Jahr 1876 eingeweiht werden. Als erstes wird der Arm mit der Flamme fertig: Nur er wird nach Philadelphia geschickt und dort auf der Weltausstellung im Jahr 1876 gezeigt (um anschließend wieder nach Frankreich zurückzukehren). Als nächstes entsteht der Kopf – auf der Weltausstellung 1878 in Paris darf das Publikum für 5 Centimes dessen hohles Innere besichtigen. Im Sommer 1884 schließlich findet in Paris die Endmontage statt, bevor die kolossale Statue – wieder in Einzelteile zerlegt und in über 200 Kisten verpackt – mit der Eisenbahn nach Rouen reist und von dort auf dem Schiff bis nach Le Havre.

Frankreichs Geschenk: Am 21. Mai 1885 tritt die Statue an Bord der Militärfregatte Isère ihre Reise über den Atlantik an, wo sie in New York im Juni enthusiastisch in Empfang genommen wird. Allerdings ist der Sockel – den Amerika baut und finanziert – noch nicht ganz fertig. Ihr Zusammenbau dauert vier Monate, ohne Gerüst ein unfallträchtiges und aufwendiges Unternehmen. Am 28. Oktober 1886 wird das Geschenk des französischen Volkes an die Vereinigten Staaten auf Liberty Island endlich eingeweiht – mit 10-jähriger Verspätung gegenüber dem geplanten Datum.

La Liberté eclairant le monde: Weitere Nachbildungen der Freiheitsstatute finden sich in Colmar, der Heimatstadt des elsässischen Bildhauers Bartholdi, am Quai des Etats-Unis in Nizza und auf der Place Picard in Bordeaux (Foto links oben), in Saint-Etienne und anderen Städten Frankreichs. Auch in der französischen Hauptstadt gibt es weitere, kleinere Nachbildungen der Statue – im Jardin du Luxembourg (Foto links unten), im Musée d’Orsay und vor dem Musée des Arts et Métiers (Foto rechts). Übrigens wurde die Nachbildung in Bordeaux schon zwei Jahre nach ihrem großen Vorbild in New York aufgestellt: Bartholdi hatte sie selbst angefertigt, Präsident Sadi-Carnot weihte sie am 27. April 1888 ein. Allerdings requirieren die deutschen Besatzer die Statue 1941 und schmelzen das Metall ein, sodass heute im Chartrons-Viertel erst seit dem Jahr 2000 wieder Ersatz steht.

Lady Di: Unweit der Seine-Brücke Pont de l’Alma steht seit 1987 eine Kopie der »Flamme de la Liberté« aus vergoldetem Kupfer in Originalgröße. Ursprünglich als Dank für die Restaurierungsarbeiten an der Freiheitsstatue übergeben, an denen zwei französische Unternehmen maßgeblich beteiligt waren, wurde sie durch den tödlichen Unfall von Prinzessin Diana im Tunnel de l’Alma darunter zu einem Denkmal: Bis heute werden dort regelmäßig zu Ehren der 1997 verstorbenen Prinzessin Blumensträuße und Briefe abgelegt.

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