112 ORTE IM STUTTGARTER UMLAND: DIE SULZEICHE BEI WALDDORFHÄSLACH

Ein standfester Riese: Mindestens so viel Orte, wie drin sind, mussten leider auch draußen bleiben. Sie haben es nicht ins Buch »111 Orte im Stuttgarter Umland« geschafft. Der Baum-Methusalem am Schaichberg zum Beispiel, nordwestlich von Walddorf nahe der B27, der auf ein Alter von rund 450 Jahren geschätzt wird. Die »Sulzeiche« – mit über 20 Metern Höhe und weit ausladenden Ästen sehr imposant – ist zwar weithin sichtbar, fällt aber dennoch nicht auf den ersten Blick ins Auge, weil sie anders als die uralte Linde bei Hildrizhausen nicht komplett frei steht, sondern dicht am Waldsaum. Gleich hinter der riesigen Eiche beginnt das Waldgebiet des Schönbuchs, davor wurde eine Obstbaumwiese mit vielen alten Sorten angelegt, die zur Erforschung der Pflanzenkrankheit Feuerbrand dienen, die vor allem Kernobstgewächse befällt.

Bäume umarmen: Geht hier nicht. Jedenfalls nicht allein. Wenn man unter dem Blätterdach der mächtigen Stieleiche (Quercus robur) steht, zeigt der als Naturdenkmal ausgewiesene Baum sein knorriges Alter. Vom gedrungenen Stamm mit einem gewaltigen Umfang von 6,35 Metern gehen die ersten großen Äste in kaum zwei Meter Höhe ab und berühren an manchen Stellen gar den Waldboden. Ehrfurcht flößt ein, dass er schon Jahrhunderte überdauerte – selbst den Dreißigjährigen Krieg sah er vermutlich schon. Dass die Äste in alle Richtungen ragen, lässt erkennen, dass der Baum immer frei wachsen konnte – wohl, weil er auf einer Viehweide stand und seine Eicheln der Schweinemast dienten. Auch an weiteren uralten Baumriesen lässt sich noch ablesen, dass das Gelände in früherer Zeit als Hutewald diente, also als Waldweide zur Viehhaltung genutzt wurde.

sulzeiche

Urwälder von morgen: Mit seinen 156 Quadratkilometern ist der Schönbuch zwar der kleinste unter den sieben Naturparks in Baden-Württemberg, doch als eines der größten zusammenhängenden und unzersiedelten Waldgebiete Süddeutschlands stellt er ein einzigartiges Refugium für Tiere und Pflanzen dar. Bestimmte Teile des Naturparks wurden zudem zu »Bannwäldern« erklärt, also zu Waldreservaten, die als »Urwälder von morgen« komplett sich selbst überlassen bleiben und in denen jegliche Form der Pflege und Nutzung untersagt ist. Der Eisenbachhain, ein rund 8 Hektar großes Waldstück westlich von Walddorfhäslach, zählt zu diesen Reservaten, in denen sich die Vegetation völlig ungestört entwickeln kann.

http://www.naturpark-schoenbuch.de

(i3)_(855-5)_Kalmbach_111_Orte_im_Stuttgarter_Umland.inddMehr zur Linde bei Hildrizhausen in: Gabriele Kalmbach, 111 Orte im Stuttgarter Umland, die man kennen sollte, Emons Verlag

https://www.osiander.de/details.cfm?isbn=9783954518555&pid=100214

 

 

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